Andreas

Lärm im Mittelrheintal

Mittelrheintal

Seit zwei Tagen stehen wir nun in Bingen frei auf einem Parkplatz am Rhein. Nach diesen zwei Tagen kann ich mich nur eines fragen. Wie können die Menschen hier leben?

Vor uns eine zweigleisige Bahnlinie und eine Bundesstraße, hinter uns der Rhein, eine zweigleisige Bahnstrecke und eine Bundesstraße auf der anderen Rheinseite. Und der Lärm ist infernalisch. Klar eine Bahnstrecke direkt vor dem Wohnmobil ist laut. Es hört sich an, als würden die Züge direkt durch unseren Alkoven fahren. Und viele LKWs sind nicht viel leiser wie die Züge, nur kürzer.
Und wäre dies alles nicht schon genug, sind täglich noch Kampfjets und Militärhubschrauber zu sehen. Kampfjets, die im Tiefflug durch das Mittelrheintal jagen.

Auch die Züge von der gegenüberliegende Rheinseite sind sehr präsent, nicht so laut, dafür lange zu hören. Minutenlang rollt der Lärm, reflektiert durch die hohen Weinberge durch das Tal. Wie stark die Reflektionen sind kann ich an einem Beispiel zeigen. Gestern Nacht hörten wir die Feuerwehr und dachten auf Grund der Lautstärke, dass die Fahrzeuge gleich vorbei kämen, bis wir sie schräg gegenüber auf der B 42 fahren sahen. Etwa 2,5 km Luftlinie entfernt. Die Martinshörner war laut und deutlich zu hören.

Die Geräuschkulisse im Mittelrheintal ist Tag und Nacht präsent, ein Zug hier, ein Schiff auf dem Rhein, ein Zug auf der anderen Seite, alles wechselt sich im Minutentakt, oft auch im Sekundentakt, ab. Bei über 200 Güterzügen pro Tag kann keine Ruhe aufkommen. Die Schiffe sind allerdings ein eher kleineres Problem, nur ein paar wenige dröhnen so laut, dass das komplette Wohnmobil vibriert.

Die Menschen hier haben meinen vollen Respekt. Ich kann ihren Kampf gegen den Bahnlärm verstehen. Der Bahnverkehr soll bis 2025 im Rheintal um 50% steigen! Ein Nachtfahrverbot für Güterzüge wäre wirklich erst einmal das Mindeste.
Für uns wäre diese Gegend ein absolutes No-Go.

Websites zum Lärm im Mittelrheintal

Aber damit mich keiner falsch versteht, Güter gehören auf die Schiene. Aber richtig! Lärm macht krank!

Andreas

15 Kommentare zu “Lärm im Mittelrheintal”

  1. Sigi

    ich hab mal ne fahrradtour am rhein entlang gemacht und stand mit dem zelt(!) auf einem campingplatz irgendwo bei st. goar! Das war so ein höllenlärm in der nacht, dass ich kein auge zutun konnte.
    ein versuch zur Beantwortung deiner ausgangsfrage: die menschen, die dort leben, hören den lärm wahrscheinlich nicht mehr. wenn doch, dann denken sie, „ich kann nicht hier weg, weil…“ und dann folgen alle bürgerlichen argumente.
    dass es doch gehen würde, wenn frau/mann nur will: dafür seid ihr zwei das gute beispiel☺️

    1. Andreas

      Ich habe in einem Artikel gelesen, dass zum Beispiel in Kaub viele Gebäude leerstehen, auch die Bevölkerungszahl dort ist stark rückläufig.

      Gruß
      Andreas

      1. Klaus

        Ich habe mich in Kaub vor einigen Jahren auch einmal auf dem Blücherfest mit einigen Anwohnern unterhalten. Das Haus geerbt und durch den Lärm höchstens (wenn überhaupt) nur zu einem Schleuderpreis zu verkaufen.

        Gruß, Klaus

  2. Klaus

    Ja, so ist das halt im „Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal“ 😀 Ich habe es letzte Woche gerade einmal 10 Minuten am Rhein ausgehalten und bin dann ganz schnell über den Hunsrück an die Mosel geflüchtet 😉 Das war eine herrliche Ruhe, so gut habe ich selten geschlafen 🙂

    Aber ihr seid doch in einer günstigen Ausgangsposition, Nahe, Soonwald, Hunsrück und Mosel sind doch gar nicht so weit entfernt?

    Allerdings würde ich mir vorher noch auf der anderen Rheinseite die Burg Pfalzgrafenstein anschauen und anschließend schräg gegenüber die Bratwurst testen 😉 😀

    Grüße, Klaus

  3. henning

    Hallo,

    in Bingen an der Fähre auf dem Parkplatz hab ich auch letztes Jahr gestanden. Das war echt laut, kann ich bestätigen. Auf jeder Flussseite eine Bundesstraße und eine Bahnstrecke, irgendetwas brummt oder poltert da immer. Dazu kam auf diesem Platz noch der Krach, wenn die Fähre andockt. Zum Angucken wars ja schön, aber ich habe mich dann auch,lieber in ruhigere Ecken verkrümelt.

    Gruß
    Henning

  4. Fobel

    Aber DB Schenker Rail etc. rüsten derzeit auf Flüstersohlen und Flüsterbremsen um – so wie es in der Schweiz schon länger der Fall ist, dort sind die Güterzüge vergleichbar mit den S-Bahnen bei uns… und obwohl die Schiene teurer und unflexibler ist als die Straße wird dort kräftig investiert. DB Netz (Trassenbetreiber) fordert es meines Wissens so… nur dauert es halt noch ein bisschen, aber man soll es merklich spüren…
    Gruß!

  5. carola

    also, da kann ich eine zurückliegende „geschichte“ zu beitragen.
    als wir in 2001 das erste mal alte freunde in BOPPARD besuchten, haben wir das nicht so ganz mitbekommen, aber als wir im nächsten jahr dann in Boppard im „rebstock“ übernachteten, bei über 32° nach 22:00, und alle fenster offen waren – konnte ich keine minute schlafen.
    fuhr „hinter-mir“ kein CH-D express, fuhr eben auf der anderen seite ein güterzug . . . ca alle 2 minuten einer . . .
    und voriges jahr, „fragte“ doch ein Küchen/koch-bloger aus NEUWIED ganz und gar verständnislos warum es denn so schwer wäre dort gastro-personal anzusiedeln . . . nun ja, dem habe ich mein erlebnis mitgeteilt, und gesagt, da würde ich auch nicht in der gastronomie arbeiten wollen wenn dann nachts keine chance zum schlafen besteht.
    daraufhin bekam ich zu lesen: nein, nein, es ist jetzt viiieeel besser (ruhiger).
    geworden . . .
    *wahrscheinlich ist der inzwischen taub?* 😉
    mein argwohn ist also nach wie vor berechtigt. *ahnte ich es doch*
    btw ich lebe mitten in der stadtmitte berlins, nebenan vom checkpoint Charlie, und selbst hier ist es nachts – bis auf feuerwehr/polizei- ziemlich sehr ruhig.
    fazit: schöne gegend da, aber nur als tagesausflug.

    wünsche euch wieder ruhige nächte .

    carola

    1. Andreas

      Hallo Carola,

      von den Personalproblemen habe ich auch gelesen, anscheinend kommen die Bewerber zum Gespräch und wurden dann nie wieder gesehen.
      Da ist es mitten in Berlin wirklich ruhiger.

      Gruß
      Andreas

  6. Theo

    War vor einem Jahr und davor noch in Oberwesel, Stellplatz direkt am Rhein und ganz ehrlich, ich konnte gut schlafen und alle anderen dort auch, zumindest gab es keine Klagen. Alles eine Einstellungssache, vielleicht?. Zuglärm muß man gewohnt sein, dann ist das wesentlich besser zu ertragen als Flugzeuglärm. Ich kann sogar besonders gut dabei schlafen, man mag es wahrscheinlich jetzt nicht glauben.

    Aber eins stimmt natürlich, Lärm macht auf Dauer krank.

    Vor drei Jahren fand sich kein Stellplatz, also in einem kleinen Ort an die Straße gestellt – und so gut wie kein Auge zugetan: Es handelte sich um eine Bundesstraße, die rund um die Uhr befahren war, besonders gerne nutzte wohl auch die Jugend die Straße als Rennstrecke.

    Morgens dann beim Brötchenholen fanden sich überall Plakate die eine Umgehung forderten. Hatte ich abends dann wohl übersehen.

  7. Theo

    Nachtrag: Unbedingt auch besuchen: Burg Rheinfels in St. Goar – und dort in die Kasematten abtauchen, aber vorsicht, nix für Klaustrophoben. Und eine Taschenlampe empfiehlt sich.

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