Parkplatz des Grauens

Andreas
Grauen

Gestern Nacht um kurz vor zwei sind wir zum ersten Mal geflüchtet und wechselten den Stellplatz. Aber der Reihe nach.

Parkplatz

21:55

Kurz nach dem grandiosen Spielfilm Der große Crash – Margin Call auf arte haben wir bemerkt, dass ein Auto mit laufendem Motor auf dem Parkplatz steht. So weit, so gut, kommt immer wieder mal vor.

23:30

Der Wagen ist noch da, noch immer läuft der Motor. Der ganze Platz riecht schon nach Abgasen. Zu sehen ist das Auto nicht, nur zu hören, denn der Platz ist nachts stockdunkel.

Mitternacht

Geisterstunde! Ich schnappe mir die Taschenlampe und laufe zum Auto, ein AUDI der Oberklasse mit niederländischem Kennzeichen. Ich begrüße den Fahrer freundlich auf niederländisch und bitte ihn den Motor auszumachen. Dieser Bitte kommt er sofort nach und sagt, das er nur etwas schauen möchte. Er ist scheinbar alleine.

00:30

Wir wollen gerade ins Bett gehen, als wir leise Stimmen hören, genau neben der Eingangstür unseres Wohnmobil. Wir löschen alles Licht und begeben uns auf Beobachtungsposten, im Alkoven. Der Fahrer hat das Auto verlassen und schaut immer noch.

01:00

Immer wieder umkreist der unheimliche Niederländer unser Wohnmobil, läuft keinen Meter am Auto vorbei, so knapp, dass wir ihn vom Alkovenfenster kaum sehen können.
Dann steht er wieder minutenlang auf dem Platz. Wir spekulieren, ich unterbreite Claudia meine Thesen. Entweder kommt es gleich zu einem Showdown zwischen Drogendealern und wir werden es als Zeugen nicht überleben oder es kommt zu einem Drogendeal und wir werden es als Zeugen nicht überleben.

01:15

Claudia ist nicht wirklich beruhigt und ich bekomme einen Krampf im Nacken. Und ehrlich, kein Witz. Nebel wabert über den Platz. Claudia bringt den Nebel des Grauens ins Spiel und rezitiert Passagen aus dem Film. Ich bin nicht wirklich beruhigt.

01:35

Warum umrundet einer ständig das Wohnmobil? Wir sind jetzt paranoid und beschließen den Stellplatz zu wechseln und zum TREFF-Parkplatz zu fahren. Claudia muss so wie so um 06:30 arbeiten. Und richtig Ruhe findet hier keiner von uns mehr. Fünf Minuten später startet der Motor des Düdo.

01:56

Wir liegen im Bett. Claudia sagt, dass der arme Niederländer wahrscheinlich seine letzte Kohle in das teure Auto gesteckt hat und kein Geld mehr für ein Hotel hatte. Er wollte nur einen Kaffee und hat sich nicht getraut zu klopfen. Massenmörder wollen immer erst einen Kaffee, antworte ich.

Normalerweise, fährt die Polizei an diesen Platz, in dieser Sackgasse, oft Streife, warum wissen wir nicht.
Auf dem Bild siehst du unseren Parkplatz und unsere Parkposition, der Audi stand genau gegenüber am Waldrand.

Andreas

30 Kommentare zu “Parkplatz des Grauens”

    1. Andreas

      Machte irgendwie nicht einen sooo sympathischen Eindruck. Vom Alter her, irgendwas zwischen 50 und 60, tippe ich mal.

      Gruß
      Andreas

  1. Mathias

    Vielleicht hatte er ganz andere Hoffnungen und die ganze Zeit das rote Licht im Fenster gesucht. Und sich gewundert, dass der andere Typ im WoMo solange braucht…

    🙂

  2. Andi

    Hi Andreas, das hört sich ja richtig gefährlich an, bei solchen Erfahrungen habe wir bisher auch immer lieber das Weite gesucht. Wir drücken euch die Daumen das ihr die nächsten netter Nachbarn habt bzw. die Nächte entspannter schlafen könnt!

    Viele Grüße

    Andi & Ela

    1. Andreas

      Na klar, normalerweise bringt uns nichts so schnell aus der Ruhe. Wenn man im Wohnmobil wohnt , sollte man schon etwas nervenstärker sein 😉

      LG
      Andreas

  3. Andre

    Hi Andreas,

    ich wäre auch weg gefahren. Man weiß nie was noch kommt und muss es ja nicht herausfordern.
    Weiterhin viel Glück,

    Andre

    1. Andreas

      Na, wenn du auch weggefahren wärst, brauchen wir uns ja nicht als Pussys fühlen.

      Bis demnächst wiedermal
      Andreas

  4. Kai

    Wir sind mal in Schweden(!) von einer jugendlichen, männlichen, betrunkenen VW T3 Besatzung unsanft geweckt worden. Ein Meter neben dem Alkoven wurde für einige Minuten die Abregeldrehzahl des Krachdiesels getestet und gegrölt. Auf einem riesigen leeren Platz. Wir wollten kein attraktiveres Ziel abgeben als nötig und sind ganz ruhig geblieben. Irgendwann sind die Halbstarken abgezogen. Die Nacht war trotzdem vorbei.

    Habt ihr die Auffahrkeile zurückgelassen?

    1. Andreas

      Auffahrkeile zurücklassen? Niemals, war diesmal nur einer, günstig daneben gefahren und aufgenommen 🙂

      LG
      Andreas

  5. henning

    Hallo,

    gruselig, wie ein Drehbuch für’n Horrorfilm…
    Einmal bisher bin ich auch wieder abgehauen. Das war 1996 in Spanien. Der Platz war am See vor einem geschlossenen Campingplatz. Da waren vier junge Männer mit PKW, es sah aus als wollten die grillen. Dann waren sie draußen, dann wieder im Auto, aber wirklich mit dem Grillen angefangen haben sie nicht. Auf irgendwas haben die gewartet. Vielleicht nur auf den, der das Fleisch bringt. Oder darauf, dass ich mich endlich schlafen lege, damit sie mich auf den Spieß fädeln können. Schlau bin ich jedenfalls nicht aus denen geworden und bin noch im Hellen zum nächsten Platz gefahren.
    Wenn da so einer ums Auto schleicht, würde ich den vielleicht mal aus dem sicheren Küchenfenster heraus fragen, was er will. Aber abzuhauen war bestimmt nicht verkehrt. Und wenn es klopft: Nie die Tür aufreißen, immer durchs Fenster verhandeln.

    Gruß
    Henning

  6. Joerg

    Vielleicht war alles auch ganz harmlos und ihr standet auf einem sogenannten Geocacheversteck 😀 Nee, bei so einem Scenario wäre ich auch abgehauen. Vor ein paar Wochen bin ich nachts einen Friedhofparkplatz angefahren. Gleichzeitig kam von der anderen Seite ein Audi mit polnischen Kennzeichen auf den PP gefahren. Als ich geparkt habe stand der Audi erst 20m hinter mir. Nach ein paar Minuten hat er den PP mehrere male umkreist. Zu sehen waren 3 Gestalten mittleren Alters. Nach 20 – 30 umrundungen ist mir das dann zu nervig geworden und ruhig schlafen konnte man sowieso dort nicht mehr. Habe mir dann einen anderen Platz gesucht. Wer weiß was die vorhatten. Vielleicht wollte einer von denen auch nur Autofahren üben, aber das weiß man eben nicht und wenn man alleine unterwegs ist, ist die Situation noch etwas heikeler. Naja, nichts passiert und euch zum Glück auch nicht. Auf ruhige Nächte!

    1. Andreas

      Das ist das Hauptproblem, man hat keine Ruhe mehr. Und solange der Störfaktor nicht verschwindet, bleibt das so. Also weg 🙂

      Gruß
      Andreas

    1. Andreas

      Ich habe jetzt fast schon Mitleid mit dem Niederländer 😉 Aber das ist sein Problem, nicht unseres. Und genau, einen Scheiß müssen wir, dazu gehört uns keinen Kopf zu machen und wechseln deshalb den Platz.

      LG
      Andreas

    2. Andreas

      Leider konnte ich Phils Artikel nicht kommentieren.

      Also hier meine Antwort in seinem Blog

      Hi Phil,

      deine Auslegung des Mottos ist aber falsch. Einen Scheiß müssen wir, bedeutet, das wir entscheiden, was wir wollen und was nicht.

      Was das Motto, das Kopfkino und unsere Entscheidung miteinander zu tun haben, erschließt sich mir auch nicht aus der Länge des Textes.Natürlich war die Situation wahrscheinlich völlig harmlos.

      Einen Scheiß müssen bedeutet hier. Wollen wir uns jetzt noch wirklich weiter einen Kopf machen. Nein, wir müssen nicht, also fahren wir und haben Ruhe.

      LG
      Andreas

      1. Phil

        Hallo meine Lieben,

        ich wollte euch keinesfalls zu nahe treten!
        Wir kennen uns persönlich – und ich schätze euch!

        Als ich euer „Motto“ das erste Mal gelesen habe, dachte ich nur: Ach ja!
        Und mir ist sofort ein sehr lange Liste von „Dingen“ eingefallen, die auch ihr müsst!
        Und diese Liste war sogar nur mit rein formalen „Dingen“ gefüllt.
        In die psychologische oder gar philosophische Kiste musste ich dafür noch nicht mal greifen. 🙂

        Vielleicht können wir uns ja darauf einigen:
        Sobald man dieses unbedingte Motto („Einen Scheiß müssen wir“) an Bedingungen knüpft, dann wird es „absurd“.
        Einen Scheiß müssen wir – außer … Macht nicht wirklich Sinn! Oder!?

        Was das alles mit Kopfkino zu tun hat. Das wird hoffentlich in der Fortsetzung deutlich.
        Du erinnerst dich, der Holländer hatte euer Motto ja gerade erst für sich entdeckt.
        Zu diesem Zeitpunkt wusste er aber noch nicht, dass zwei durchgeknallte „Konsumenten“, von was auch immer, im Anmarsch sind. 🙂

        Das Schöne an einem eigenen Blog ist, dass man ein „Geschichte“ auch mal etwas ausführlicher entwickeln kann.

        Interessant wäre auch die Frage: Wie wirkt euer Motto auf Leute, die weiterhin „müssen“, damit ihr, die ihr nicht mehr „müßt“, trotzdem nicht vor leeren „Regalen“ steht? Vielleicht gibt es noch eine Fortsetzung. 🙂

        Liebe Grüße
        Phil

        1. Claudia

          Hi Phil,
          schöner Beitrag von Dir, bin gespannt auf die Fortsetzung 🙂
          Bitte vergiss dabei nicht, daß Du noch genau erklären musst, wie der Niederländer Nachts im Stockdunkeln unseren schwarzen Schriftzug in luftiger Höhe hatte lesen können.
          …und trotzdem nicht vor leeren Regalen steht? Dafür habe ich sie doch 15 Jahre lang aufgefüllt. Reicht das nicht? 😀
          Gruss, Claudia

          1. Phil

            Hallo Claudia,
            ich hatte gehofft, dass damit:
            „das Fahrzeug mit dem magischen Schriftzug“
            schon alles hinreichend erklärt ist. 🙂
            Angenehme Nachtruhe!
            Phil

      2. Phil

        Hallo meine Lieben,
        eigentlich hätte ich eurem Outside-Motto folgen sollen: Einen Scheiß muss ich!
        Aber aus reiner Lust an der Freude ist meine „Gruselgeschichte“ etwas ausführlicher geworden:
        Absurdes Motto, Absurdes Motto 1.1, Absurdes Motto 1.2, Absurdes Motto: Finale
        Ich weiß nicht, ob sich schon einmal jemand so intensiv an einem Beitrag von euch (und/oder an eurem Outside-Motto) „gerieben“ hat. 🙂
        Schließlich ist Fasching! Und in dieser Zeit sollte man eh alles nicht so tierisch ernst nehmen! Außerdem: Was kümmert es eine deutsche Eiche, wenn sich ein kleiner, unbedeutender Blogschreiberling an ihr reibt. 🙂
        Liebe Grüße
        Phil
        PS: Das inside-Motto das sich auf eurer Seite befindet, gefällt mir viel, viel, viel … besser! 🙂 Das passt aus meiner Sicht auch viel, viel, viel … besser zu euch!

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