Minimalismus Fotoausrüstung

Minimalismus Fotoausrüstung oder doch nicht?

von Andreas |

Meine komplette Fotoausrüstung mit der Canon 700D, fünf Objektiven und unzähligen Filtern wird verkauft. Für mich beginnt demnächst eine neue Ära der Fotografie. Minimalismus Fotoausrüstung oder doch nicht?

Ich hatte schon längere Zeit eine verschwommene Idee davon im Kopf, meine Art zu fotografieren zu ändern. Aber ich musste mir erst einmal darüber klar werden, was ich wollte.

Minimalismus Fotoausrüstung

In meinem Kopf hat sich in letzter Zeit Plaque gebildet. Gehirn-Plaque, Ablagerungen, die das klare Denken behindern. Gehirn-Plaque entsteht, wenn Vorstellungen idealisiert werden und man sich verrennt.

  • Ich möchte mit weniger Gewicht unterwegs sein.
    Die Kamera sollte entweder in die Tasche passen oder in meinem kleinen Rucksack wenig Platz einnehmen.
  • Ich möchte es einfacher.
    Das bedeutet, dass ich mir vor einer Wanderung nicht mehr den Kopf über die mitzunehmenden Objektive zerbrechen will. Nehme ich das Weitwinkel- oder das Teleobjektiv mit. Oder soll ich gleich den kompletten Foto-Rucksack mit schleppen.
  • Ich will unauffälliger unterwegs sein.
    Für die Streetview-Fotografie finde ich die Spiegelreflex einfach immer zu groß.

Es wurde Zeit, das Gehirn zu reinigen und sich Klarheit zu verschaffen.

Was will ich fotografieren?

Klar, die Flamingos oder der Geier waren echte Glückstreffer, aber es sind nur zwei Bilder, denen Hunderte gelöschter Fotos gegenüberstehen. 300 mm sind meist zu wenig und die Lichtstärke des Tamron 70-300 oft nicht ausreichend, eigentlich ein Schönwetter-Tele.

Mein Hauptaugenmerk ist die Natur- und Landschaftsfotografie und ich will mehr die Momente des Lebens festhalten. Weniger Bling-Bling, mehr Körnung.

Für die Kamera, die mein komplettes Equipment ersetzten soll, gibt es einige Vorgaben. Sie sollte relativ klein sein, über einen großen Sensor verfügen und eine ausreichende Lichtstärke aufweisen.

Die Kamera muss bei der Bildqualität der Canon ebenbürtig oder besser sein. Die Website DxOMark ist dafür eine gute Informationsquelle.

Bestimmte Kameratypen schloß ich von vor herein aus. Bridgekameras und Superzooms. Die einen waren mir zu groß und Superzooms wollen von allem zu viel. Objektive mit Brennweiten von 17 bis 300 mm und mehr mag ich überhaupt nicht und die Testberichte gaben mir recht. Was da teilweise an Schärfe in den Ecken angeboten wird, hat oft mehr mit Aquarell-Malerei zu tun, scharf ist jedenfalls etwas anderes.

Ich habe mich stundenlang durch Tests und Blogbeiträge gearbeitet. Ich habe mir die Arbeit anderer Fotografen und Tausende von Bildern bei Flickr angeschaut. Ich habe RAW-Sample aus dem Internet in Darktable bearbeitet. Eines war am Ende klar, DIE Kamera gibt es nicht. Aber irgendwas ist ja immer.

Die Favoriten

Die Profi-Kompaktkameras

Panasonic Lumix LX 100

  • Micro Four Thirds Sensor
  • 24 – 75 mm Leica Objektiv
  • Lichtstärke: 1.7 – 2.8
  • Kein klappbares Display

Ricoh GR II

  • APS-C Sensor
  • 28 mm Festbrennweite
  • Lichtstärke: 2.8
  • Kein klappbares Display

Und dann kommt plötzlich Canon und präsentiert eine Profi-Kompaktkamera mit einem APS-C Sensor.

Canon PowerShot G1X Mark III

  • APS-C Sensor
  • 24 -72 mm Objektiv f/2.8-5.6
  • Lichtstärke: 2.8-5.6
  • Klappbares Display
  • Touchscreen
  • Teuer, zumindest im Moment noch, kurz nach der Einführung

Die Systemkameras

Canon M6

  • APS-C Sensor
  • Klappbares Display
  • Touchscreen
  • Ich kann meine Objektive mit Adapter weiter verwenden.
  • Keine große Ersparnis in Größe und Gewicht
  • Kein Sucher

Panasonic GX80

  • MFT Sensor
  • 5-Achsen Stabilistor in der Kamera
  • Klappbares Display
  • Touchscreen
  • Sehr gute Objektivauswahl

Sony a6000

  • APS-C Sensor
  • Klappbares Display
  • Kein Touchscreen
  • Mäßige Objektivauswahl, Objektive teilweise extrem teuer

Olympus OM-D E-M10 II

  • MFT Sensor
  • 5-Achsen Stabilisator in der Kamera
  • Klappbares Display
  • Sehr guter Sucher
  • Touchscreen
  • Sehr viele Einstellungen beim Bracketing möglich.
  • Timelapse ohne weiteres Zubehör möglich.
  • Kit Objektiv sehr klein und bietet eine gute Leistung.
  • Sehr gute Objektivauswahl

Gehirnwäsche

Fangen wir einfach mal an die Plague im Gehirn weg zu putzen.

Die Vorstellung mit einer dieser Profi-Kompaktkameras unterwegs zu sein fasziniert mich. Kein Objektiv mehr wechseln und nur noch mit 300 – 400 g unterwegs zu sein. Beschränkung als Vorteil sehen, nicht als Nachteil. Die Schärfe der Ricoh ist schlicht und einfach der Hammer. Als einzelne Kamera dann doch zu einschränkend, als Zweitkamera genial. Die kompromisslose Festlegung auf 28 mm war mir dann doch zu extrem und eine Zweitkamera möchte ich nicht.

Die Canon G1X Mark III könnte ein klein wenig lichtstärker sein und ist sehr konservativ, wie Canon nun einmal so ist. Erweiterte Möglichkeiten für Bracketing oder Timelapse, Fehlanzeige. Die maximale Verschlusszeit von 1/2000 lässt sich eigentlich verschmerzen, da ein ND-Filter vorhanden ist.

Die Lumix LX 100, fast identisch mit der Leica D-Lux, ist mein Favorit. Das Bedienungskonzept finde ich klasse, die Ausstattung ist üppig und doch gibt es einen kleinen Haken. Die Kamera nutzt vom 16 MP Sensor nur 12 MP, eigentlich aber ausreichend.

Die Vorstellung mit einer Lumix LX 100 und ein paar Filtern das ganze Equipment zu ersetzen ist genial. Minimalismus Fotoausrüstung in Reinkultur. Absolut budgetfreundlich, aber reicht mir das wirklich? Und da liegt der Knackpunkt. Ich finde die Vorstellung genial, aber es ist nur eine idealisierte Vorstellung. Ich will es nicht wirklich.

Blieben noch die Systemkameras, die Sony a6000 , die Olympus OM-D E-M 10 II, die Canon M6 und die Panasonic Lumix GX80.
Eines ist klar, fast alle Kameras machen heute gute Bilder. Auf Youtube gibt es genug Videos, in denen dir gute Fotografen (zum Beispiel bei Stephan Wiesner oder Akigrafie Live) Bilder zeigen und du nicht erraten wirst, ob das Bild mit einer Vollformat oder einer Sony RX100 mit einem 1 Zoll Sensor entstanden ist. Und wer das immer noch anzweifelt, sollte sich mal den Beitrag von Florian über seine Stockfoto-Einnahmen durchlesen. Er fotografiert mit einer Canon G7X Profi-Kompaktkamera mit einem 1 Zoll Sensor.
Ich fotografiere für mich und für unseren Blog und eine Vollformat kam nie in Frage. Das „Plus“ an Qualität sehen nur die Pixel Peeper, mein Portemonnaie allerdings wird an Schwindsucht leiden.

Die Entscheidung

Die Sony ist eine tolle Kamera, aber die Objektivauswahl finde ich eher mäßig und teilweise recht überteuert. Dazu gibt es einige Dinge, die Sony nicht hat, zum Beispiel einen Touchscreen.

Für die Canon M6 sprach mit Sicherheit die weitere Verwendung meiner jetzigen Objektive, aber mein Ziel, das Gewicht und den Platzbedarf zu reduzieren, hätte ich glatt verfehlt.

Für die Panasonic Lumix GX80 spricht mit Sicherheit das Filmen in 4K, da ich aber im Moment keine Videos drehen möchte, fiel die Kamera einfach aus der engeren Wahl.

Blieb noch die Olympus OM-D E-M10 II. Zum absoluten Minimalismus kann ich mich in Endeffekt nicht durchringen und somit ist die Olympus der Gewinner. Die kamerainterne 5-Achsen-Bildstabilisierung ist ein absolutes Kaufargument und die Objektivauswahl ist fantastisch. Die beiden großen Wettbewerber, Olympus und Panasonic, bieten eine große Auswahl an Objektiven und zwar in jeder Preisklasse. Und da Fotografie auch etwas mit Emotionen zu tun hat, spielte auch die Optik und Haptik der Kamera eine Rolle und die gefällt mir bei der Olympus außerordentlich gut.

Und dies ist der Größenunterschied

Links die Panasonic Lumix LX100, in der Mitte die Olympus OM-D E-M10 II mit dem 14-42 Kit-Objektiv, das zwar nicht so lichtstark ist, aber eine gute Abbildungsleistung bietet und rechts meine Canon 700 D mit meinem Immerdrauf-Objektiv Sigma 17-50 mm F2.8 EX DC OS HSM

Das Gewicht von links nach rechts, 351 g wiegt die Lumix, die Olympus mit dem Pancake wiegt 510 g und die Canon mit Objektiv bringt 1145 g auf die Waage.

Minimalismus Fotoausrüstung

Hier kannst du deine eigene Kamera mit Anderen vergleichen – camarasize.com

Die Olympus ist kaum größer als die Lumix LX100, bietet mir aber alle Möglichkeiten. Ich kann minimalistisch oder mit mehreren Objektiven unterwegs sein. Da MFT-Objektive kleiner und leichter gebaut werden können, spare ich Gewicht und Platz.
Für einen Vergleich habe ich mal die dicken Dinger ausgewählt, die Tele-Zooms mit 2.8er Lichtstärke. Bitte den Cropfaktor beachten, 70-200 mm an einer Vollformat entspricht 35-100 mm an einer MFT.
Ich schrieb ja, dass ich die Objektive von Sony überteuert finde. Ich habe das 2.8er Tele mal zum Vergleich mit in die Tabelle aufgenommen.

Länge Gewicht Preis
Canon 70-200 mm 2.8 20 cm 1490 g 1919,00 €
Olympus 40-150 mm 2.8 16 cm 760 g 1255,00 €
Panasonic 35-100 mm 2.8 10 cm 357 g 965,00 €
Sony 70-200 mm 2.8 20 cm 1480 g 2582,00 €

Olympus hat kein passendes Pendant im Angebot. Das 40-150 mm entspricht einem 80 – 300 mm.

Die Fotografie ist ein Hobby und soll mir Spaß machen. Ich will nicht mein ganzes Geld in Objektive investieren. Wenn ich 400,00 € auf den Preis des Sony Teleobjektiv schlage, bekomme ich das Weitwinkel-Zoom, das Standard-Zoom und das Tele-Zoom von Olympus und zwar die Objektive aus der Pro-Serie mit 2.8er Lichtstärke.
Die Bildqualität wird in allen Fällen spitze sein, der Unterschied nur Profis auffallen, aber meinem Geldbeutel wird es wesentlich besser gehen, vor allem, wenn ich nicht alles neu kaufe.

Noch ein Dank

Bei der Suche nach der richtigen Kamera bin ich unter anderem auf Aki Moosmann und seinen Youtube-Kanal Akigrafie live gestoßen. In einigen seiner Videos wurde ich mal wieder so richtig auf den Boden der Tatsachen geholt, so zu sagen geerdet.

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Das Titelfoto von Minimalismus Fotoausrüstung stammt von Nirzar Pangarkar on Unsplash Nirzar Pangarkar

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