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Celle und Südheide – 1 Zugfahrt und 324 km mit dem Fahrrad

Celle und Südheide

Das Ziel dieser Tour war Celle und die blühende Südheide. Außerdem haben wir etwas Neues getestet, wir haben drei Nächte 1NITE TENT ausprobiert.

Fast schon Standard im Moment, es ging wieder einmal mit dem Metronom nach Hannover. Halb sieben sollte eine gute Zeit für einen einigermaßen leeren Fahrradwagon sein. In der Tat waren da auch nur drei Räder, die Zahl sollte bis Hannover noch auf neun steigen.

Celle

Das war es auch schon mit den Zugfahrten für die Tour, von Hannover ging es mit den Fahrrädern nach Celle. Nicht auf direktem, aber auf schönen Wegen mit wenig Straße und viel Schotter. Am Ende des Tages standen 70 km auf dem Tacho. 

Den Nachmittag verbrachten wir damit, durch Celle zu cruisen und im Park im Schatten großer Bäumen zu chillen.

Unser erster Übernachtungsplatz lag im Stadtteil Westercelle, gute 2,4 Kilometer von der Innenstadt entfernt. Hier war alles vorhanden, geiler Garten, WC, Dusche und Strom. Unser toller Gastgeber ging dann am Abend noch einmal weg und ließ uns den Schlüssel da, den wir morgens in den Briefkasten werfen sollten. Hammer! Erste Nacht, absolut top.

Wohin mit dem Gepäck?
Das ist ja als Radreisender immer so ein Problem, wohin mit dem Gepäck? In Celle gibt es am Parkhaus Südwall kostenlose XXL Schließfächer. Eine tolle Sache, denn so kann man auch mal entspannt eine Besichtigung machen und muss nicht mit den schweren Bikes durch die Stadt.

Südheide

Um halb sieben fuhren wir los und fuhren 30 Kilometer nach Hermannsburg, wo die große Heide-Tour mit einer Länge von 46 km startet. Auf der Website ist von 39 km die Rede, aber Komoot und mein Fitness-Tracker am Handgelenk zeigten am Ende wesentlich mehr an. Vor der Tour versorgten wir uns erst einmal mit sechs Litern Wasser und sechs Brötchen.

Die große Heidetour war schön und abwechslungsreich, aber für schwer bepackte Reiseräder schon anspruchsvoll und kräftezehrend, vor allem bei 31 °C. Die Sand- und Schotterpassagen in der Südheide erfordern mit den knapp 35 kg eine gehörige Portion Fahrkönnen und Kraft. 

Eine Menge schöner Erinnerungen riefen die Passagen durch den Wald hervor. Das Knacken der Zapfen und der Geruch der Nadelbäume erinnerte uns an die langen Wanderungen durch die Pinienwälder an die Atlantikküste Frankreichs.

Nachdem wir die Tour bewältigt haben, mussten wir weitere 4,5 Liter Wasser kaufen und fuhren nach Belsen zu unserem Übernachtungsplatz in der Südheide. Auch hier war alles bestens, wir schliefen vor einem großen Gehege mit ganz viel verschiedenen Hühnerrassen. Und ja, ich habe fast den ganzen Abend die Hühner beobachtet und mit ihnen gesprochen.

Und wieder zurück

Halb sieben waren wir wieder unterwegs. Die beste Zeit ohne Hitze gut Kilometer zu machen. Wir verließen den Naturpark Südheide und radelten nach Celle und wollten eigentlich von dort mit dem Zug weiter nach Hannover. In Celle beschlossen wir das Verkehrsmittel vorerst nicht zu wechseln und fuhren mit dem Rad nach Hannover, die haben ja auch einen Bahnhof. Aber von dort waren es ja nur noch 57 Kilometer bis zu unserem dritten Übernachtungsplatz in Warzen bei Alfeld, also haben wir den Zug gestrichen, weil der Ehrgeiz wieder der Sieger war. Außerdem war Samstag und wer weiß wie viel Wo­chen­end­aus­flüg­ler mit Rad im Zug sind. 

Es könnte ja alles so einfach sein, aber so begrüßte uns kurz hinter Hannover starker und unangenehm heißer Gegenwind mit richtig heftigen Böen und forderte noch einmal alles von uns.

Nach 124 Kilometern kamen wir endlich an und mussten feststellen, dass wir für unseren Schlafplatz noch einmal 80 Höhenmeter mit bis zu 12 % Steigung in zwei Kilometer machen mussten. Und was macht man, wenn die Hälfte geschafft ist? Genau, man fährt wieder runter und geht essen. Ja, Hitze macht dumm und dicke Beine.

Gesättigt und platt erreichten wir unseren Übernachtungsplatz und auch dieser war top, alles vorhanden und wir haben sehr ruhig geschlafen.

Unser Fazit zu 1NITE TENT bis jetzt ist absolut positiv.

Am nächsten Morgen, wie immer um halb sieben, ging es auf die letzten Kilometer zu unserem Tiny House. Lässige 37 Kilometer. Von wegen lässig, diese 37 Kilometer waren bald schlimmer als unsere 200 Kilometer Fahrt nach Hildesheim. Jeder Höhenmeter tat richtig weh und jeder Kilometer zog sich wie Kaugummi. Vier Kilometer vor dem Ziel noch schnell Brötchen geholt und, wie sollte es anders sein, noch einmal 60 Höhenmeter gedrückt, aber dann ging es ab auf die Couch. Bude verdunkelt und einen halben Tag nicht mehr bewegt. Nach über drei Tagen in knallender Sonne und 324 Kilometern im Sattel ist ein halbdunkles Wohnmobil mit einer weichen Couch unter dem Arsch einfach eine Wohltat.

Am nächsten Morgen saßen wir wieder auf den Rädern, alles vergessen und alles wieder gut.

Hitze & Dürre

Drei Tage mit über 30 °C im Schatten. Wir sahen in der Südheide ausgetrocknete Bäche, ausgetrocknete Seen und verkümmerten Mais. Kaum noch ein Feld kommt noch ohne Bewässerung aus. Die Heidelbeeren in der Heide waren klein und schrumpelig. Auch die Eicheln auf dem Boden waren sehr oft einfach nur kümmerlich und noch grün. Eigentlich dürften die Eicheln noch gar nicht vom Baum fallen. 

Auch die folgenden Tage wurden wieder über 30 °C heiß und Regen ist zumindest hier nicht wirklich in Sicht. Die angekündigten 1,3 mm Niederschlag, also 13 Liter, wären einfach nichts und sind schlichtweg nicht gefallen.

Schönes Wetter hat zwar immer noch die hohe Instagrammability, aber wirklich witzig ist die ständige Hitze und das schöne Wetter schon lange nicht mehr. Am Mittwochnachmittag hat der Pegel des Rheins bei Emmerich die historische Marke von minus zwei erreicht, -2 cm! 

Wir versuchen unser Möglichstes keinen weiteren Beitrag mehr zur Klimakatastrophe zu leisten. Wir tun dies für unsere Kinder. Ein Weiter wie bisher konnte für uns keine Option sein.

Mobilität 2022

Die Autokilometer sind die Rückfahrt von Rügen über Hamburg, seit dem 10. März steht das Wohnmobil.

AutoÖPNV/ZugFahrrad
550 km1409 km3945 km
  • Eingesparter Treibstoff: 803 Liter
  • Eingesparte Treibstoffkosten: 1493,58 €
  • Der Preis für Diesel: 1,86 €, gemittelt aus den Durchschnittspreisen der Monate Jan. bis Juli 2022
  • Kosten ÖPNV/Zug: 158,20 €

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