Der ultimative Wegweiser durch die Camargue

Andreas
Camargue

Wir haben in den letzten Monaten viel Zeit in der Camargue verbracht und immer wieder Neues kennengelernt. Wir haben für dich den ultimativen Wegweiser durch die Camargue zusammengestellt

Die Camargue zählt zu unseren Lieblingsregionen, dies können wir nach mehreren Besuchen sagen. Zu mindestens von den Regionen, die wir bis jetzt schon kennengelernt haben auf unserem Roadtrip durch Frankreich.

Aber was macht die Camargue für uns so einzigartig? Es ist die Ruhe und die Weite, die diese Landschaft ausmacht. Vor allem im Winter, wenn noch kaum Touristen vor Ort sind, ist es ein fantastischer Ort um sich zurückzuziehen.
Wir haben eine 11 km lange Wanderung vom Plage de Piémanson bis zur Mündung der Rhone gemacht und trafen keinen Menschen und die Spuren im Sand ließen auch darauf schließen, das dort schon länger niemand mehr gewesen sein kann.

Es ist die Tierwelt, die uns fasziniert, die Flamingos, die verschiedenen Reiherarten, die Kraniche, die wir hier im Februar beobachten konnten. Etwa 340 Vogelarten gibt es in der Camargue, davon brüten etwa 115 in dem Gebiet.

Die Region bietet wesentlich mehr als nur Flamingos, Pferde und Stiere.

Die Camargue


Die Camargue besteht aus zwei Gebieten. Der großen Camargue, im Departement Bouches-du-Rhône und der kleinen Camargue, die teilweise auch im Departement Gard liegt. Die Trennung zwischen diesen Teilen ist die kleine Rhône, westlich von Saintes-Maries-de-la-Mer.

Die große Camargue

Brennende Reisfelder in der CamargueLandschaftlich lässt sich die große Camargue in drei Gebiete teilen. Der nördlich Teil ist landwirtschaftlich geprägt. Hier werden Obst und Gemüse, vor allen Dingen aber Reis angebaut. An zahlreichen Verkaufsständen entlang der Straßen kannst du direkt das Gemüse vom Bauern kaufen. Im Dezember werden die Reisfelder dann abgebrannt.
Der untere westliche Teil ist Naturschutzgebiet und der untere östliche Teil dient der Salzgewinnung und ist geprägt von den Salinenbecken. Was viele wahrscheinlich auch nicht wissen, viele der Reetdächer in den Niederlanden sind mit dem Röhricht aus der Camargue gedeckt.
Zentral in der Mitte liegen die beiden großen Seen, Étang de Vaccarès und Étang de Monro.
Ebenfalls zur Camargue gehören noch zwei Gebiete auf der anderen Seite der großen Rhône, nämlich unten der Zipfel an der Rhônemündung und ein großes Gebiet überhalb von Fos-sur-Mer und unterhalb der N113. Dieser Teil gehört zum Réserve Naturelle des Marais du Vigueirat.
Der größte Teil der großen Camargue gehört übrigens zum Gebiet der Stadt Arles.

Die kleine Camargue

Dieser Teil erstreckt sich bis zu den Orten Aigues-Mortes und Le-Grau-du-Roi. Auch hier wird längs der Rhône Landwirtschaft betrieben und Wein angebaut. Vor Aigues-Mortes liegen die Salinebecken für die Salzgewinnung. Hier kommt auch das bekannte Fleur du Sel „Le Saunier de Camargue“ her.

Stellplätze

Saintes-Maries-de-la-Mer

Hier brodelt im Sommer das Leben. Ein Touristenort mit großem Angebot. Unzählige Restaurants, Bars, Eisdielen und Läden. Der Markt ist Montag und Freitag Vormittags auf dem Place des Gitans in der Avenue de la République.
Ende Mai platzt der Ort aus allen Nähten, wenn die Angehörigen der Sinti und Roma der Schwarzen Sara huldigen.
Hier gibt es zwei Stellplätze für die Nacht. Beide Plätze liegen direkt am Meer, einer am östlichen, der andere am westlichen Ortsrand. Die Übernachtung kostet 13 €.
Außerdem gibt es zwei Plätze für den Tag, beide sind kostenfrei, müssen aber um 21:00 verlassen werden. Das wird auch kontrolliert.

Blitzer
Achtung! Auf der D570 Richtung Saintes-Maries-de-la-Mer stehen zwei stationäre Blitzer.

Salin-de-Giraud

Im deutlich ruhigeren Salin-de-Giraud gibt es ebenfalls zwei, aber kostenlose Stellplätze, einer davon mit Ver- und Entsorgung.
Wir stehen gerne auf dem Platz der ehemaligen Sportanlage. Der Platz ist zwar nicht besonders schön, aber eine gute Ausgangsbasis für Rad- und Wandertouren in die Camargue oder an den Plage de Piémanson und Plage de Beauduc.
Es gibt zwei kleine Lebensmittelläden vor Ort (Findest du auf der Karte), eine Boulangerie, eine Apotheke und einige empfehlenswerte Restaurants, wie das Les Saladelles (Wir haben es getestet, es war fantastisch), 3 Minuten vom Stellplatz entfernt.
Freitag Vormittags ist Markt in der Boulevard de la Gare auf dem Place Carle Naudot.

Kein Wasser im Winter
An beiden Stellplätzen ist im Winter die Wasserversorgung außer Betrieb.
Wir haben noch einen freien Stellplatz entdeckt, der aber bleibt unser Geheimnis.

Strände

An den Dünen am Rand der Camargue

Plage de Piémanson

Der Name löst bei vielen Campern Wehmut aus, dieser Strand war Kult.
11km sind es von Salin-de-Giraud bis zum berühmten Strand. Berühmt, weil es dort bis vor kurzem noch möglich war auf dem Strand zu stehen. Da die Gegend ein Naturschutzgebiet ist und sich viele Menschen nicht entsprechend verhalten haben, wurde dem Ganzen ein Riegel vorgeschoben. Mittlerweile darf von 22:00 bis 06:00 kein PKW oder Wohnmobil mehr dort parken.
Ein Tag am Strand ist aber auch mit dem Wohnmobil kein Problem. Und es lohnt sich. Es locken endlose und unverbaute Sandstrände am Rande der Camargue zum Wandern. Bis nach Saintes-Maries-de-la-Mer sind es etwa 30 km, dass sollte reichen.

Plage de Beauduc

Offiziell dürfen nur Fahrzeuge mit einer maximalen Breite von 2m zu diesem Strand fahren. Wir sind die Strecke mit dem Rad gefahren und wir raten jedem normalen Wohnmobil mit Vorderradantrieb von einem Versuch ab. Es ist eine heftige Offroad-Strecke, die so manchen Wohnmobilaufbau an die Grenzen seiner Belastbarkeit bringen könnte. Mit unseren Räder waren wir schneller wie jeder PKW und selbst mit einem Trekkingrad war das kein Zuckerschlecken.
Zumindest für französische Fahrzeuge entfällt der Versicherungsschutz im Falle eines Unfalls oder Schadens.

Plage Napoléon

Auf diesem Strand auf der anderen Seite der Rhône, unterhalb von Port-Saint-Louis-du-Rhône gelegen, darf man tagsüber mit dem Wohnmobil stehen.

Aktivitäten

Radtouren

Radtouren

Es empfehlen sich Ausflüge zu den Leuchttürmen Phare de Faraman (12km*) und Phare de la Gacholle (18 km*). Es empfiehlt sich aber die App OSMand+ zu verwenden, um auf den zahllosen kleinen Wegen zwischen den Becken der Salzgewinnung und Seen nicht die Orientierung zu verlieren. Eine Wanderkarte der Region wäre die stromlose Alternative.
Für einen Ausflug zum Phare de la Gacholle empfehlen wir aber Saintes-Maries-de-la-Mer als Ausgangspunkt. Der Weg führt dich dann durch den Nationalpark und ein völlig anderes Landschaftsbild als auf der östlichen Seite der Camargue.
Von Salin-de-Giraud sind es nur 8 km nach Port-Saint-Louis-du-Rhône. Dafür benutzt du die Fähre Bac du Barcarin über die große Rhône.
* Ausgangspunkt Salin-de-Giraud.

Wandern

Besonders empfehlenswert sind Wanderung am Digne de Mer (Der Deich zwischen Saintes-Maries und Salin-de-Giraud), am Étang de Vaccarès und Étang de Monro, sowie an den Stränden der Camargue. Es gibt aber noch viele weitere Wandermöglichkeiten.

Wichtig
Vor allen Dingen im Sommer ist für ausgedehnte Wanderungen und Radtouren die ausreichende Versorgung mit Trinkwasser wichtig. Du solltest ebenfalls an eine Kopfbedeckung und ein Mittel gegen Mücken denken.
Im Sommer kann es sehr heiß in der Camargue sein und Schatten ist eher selten.

Ausflugsziele

Alle Ausflugsziele findest du auch auf der Karte am Ende des Beitrags.

  • Parc Ornithologique du Pont De Gau
    Etwa 5 km vor Saintes Maries-de-la-Mer an der D570 gelegen.
  • Domaine de la Palissade
    8 Km von Salin-de-Giraud an der D360 auf dem Weg zum Plage de Piémanson gelegen. Hier sind Wanderungen auf extra angelegten Wegen (ca. 8 km) möglich.
  • La Capelière – Centre d’information de la Réserve Naturelle Nationale de Camargue
  • Musée de la Camargue
    Ebenfalls an der D570, etwa 27 km vor Saintes Maries-de-la-Mer.
  • L’Ecomusée du Sel
    3 Rue Claude Lautier in Salin-de-Giraud
  • Musée du riz
    10 km vor Salin-de-Giraud an der D36 gelegen
  • Arles
    Sowohl von Saintes-Maries-de-la-Mer und von Salin-de-Giraud fahren Busse nach Arles
    Saintes-Maries-de-la-Mer: Haltestelle Les Massoucles um 09:00, 11:05, 12:05, 13:15 in 57 Min. nach Arles Gare, 1 €
    Salin-de-Giraud: Haltestelle Péchiney um 09:00, 11:00, 13:00 in 50 Min. nach Arles Gare, 1 €
Bespaßung

PferdeflüstererIn Saintes-Maries-de-la-Mer und Umgebung werden eine Vielzahl von Touren mit Pferd, Kutsche oder 4×4 Offroad-Touren im offenen Jeep angeboten.
Letzteres Schauspiel konnten wir beobachten und fanden es nur mäßig spannend. Angehalten (ca. 3 Min.), aufstehen, Kopf rausstrecken und weiterfahren.
Es ist auch möglich die Pferde und Stiere einfach nur zu besichtigen. Hinweisschilder finden sich überall an den Straßenrändern.

Spezialitäten

  • Reis
    Sehr empfehlenswert ist besonders der rote und schwarze Reis.
  • Salami und Fleisch von den Stieren (frz. Tauraux)
  • Gardianne de Taureau
    So eine Art „Gulasch“ Camarguaise
  • Grillade Saint Gilloise
    Ein Schmorgericht aus Fleisch vom Stier, Knoblauch, Zwiebeln Anchovis und viel Rotwein
  • Und natürlich viele Gerichte mit Meeresfrüchten

Flamingos

Flamingos in der CamargueWir wurden schon öfters gefragt, wo man die Flamingos sehen kann. Die Antwort ist einfach: Überall. Es besteht keine Chance den Vögel zu entkommen. Selbst im Winter bleiben etwa 1500 bis 5000 der Vögel in der Camargue. Im übrigen handelt es sich um Rosaflamingos (frz. Flamant rose).

Die Übersichtskarte

Zu guter Letzt

Wer jetzt immer noch keine Lust auf die Camargue hat, bekommt von uns noch ein zwei Videotipps.

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12 Kommentare zu “Der ultimative Wegweiser durch die Camargue”

  1. Uta

    Hallo, ihr beiden,

    es wäre toll, wenn ich auf die Übersichtskarte Camargue zugreifen könnte. Wir haben soeben das Womo fertig beladen, morgen geht es los. Ziele sind Camargue, Provence und Cote d’Azur.

    Euch weiterhin eine gute Zeit und sichere Fahrt. Ich bin schon seit geraumer Zeit „mit euch unterwegs“ und erfreue mich an euren Texten und Bildern. Vielen Dank dafür.

    Uta

  2. Jürgen & Ellen

    Hallo Ihr Zwei!
    Hoffen, der Sturm hat euch nicht umgeblasen! Haben schon weggeflogene Campertüren dort gesehen! Gerade im Winter muss man gut was abkönnen dort! Respekt !
    Wir hatten die letzte Zeit hier an der Cote Azur schon genug Wind! …uns reichte es wirklich!
    Weiter viel Spass!

  3. Debbi

    So ein toller Bericht!!

    Am liebsten würde ich auch gleich wieder losfahren in die Camargue. Das letzte Mal waren wir im Mai 2015 da – viel zu lange her :(!

    Die Flamingos sieht man wirklich überall und es ist so schön sie fliegen zu sehen…. umso mehr schmerzt es diese Tiere im Zoo mit gestutzen Flügeln zu sehen. Und beim Plage de Piemanson werde ich wirklich etwas traurig, allerdings kann ich die Franzosen voll und ganz verstehen! Es sah dort teilweise wirklich schlimm aus und wenn man das Verhalten von gewissen Campern sah, ist die Sperrung nur mehr als verständlich… trotzdem traurig!

    Dem schwarzen Reis sabbern wir jetzt noch nach… leider haben wir damals nur 1 kg mit nach Hause genommen (besser wären 5 gewesen ;)).

    Obwohl unser letzte Ausflug in die Camargue ein unschönes Ende fand – unser Camper wurde ausgeraubt – kommen wir definitv zurück. Nach diesem tollen Bericht, habe ich sogar noch mehr Lust schon bald wieder in die Camargue zu starten. Herzlichen Dank!

  4. Jürgen & Ellen

    Hallo Andreas! Wir mussten gestern wieder von unserem Boot fliehen. Sind mit dem Wohnmobil in windgeschützte Ecke geflohen. Das war gut so, hatten 11 Bft und einige Schäden hier im Hafen. Jetzt wieder auf dem Boot, dort alles ok, immer noch 8 Bft aber es geht. Soll ja teilweise bis 200 kmh geblasen haben und es ist viel passiert in Frankreich…hoffen euch gehts gut…Erfahrungsgemäss bläst es in euerer Ecke ja besonders.
    Die Fotos im Blog sind immer klasse…kriegen wir nie so hin!

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