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Nach dran kommt ab

von Andreas

Man sollte die Bezeichnung eines Radweges nicht zu wörtlich nehmen, vor allem nicht bei einer solchen Bezeichnung: Korkenziehertrasse

Gleich vorweg, das Leben mit einer dreifachen subkapitalen Humerusfraktur inklusive Abriss des Tuberculum Majus ist auch im Wohnmobil möglich, ist aber völlig spaßfrei. Unser erster Tipp also gleich im voraus, sollte dich der Doktor im Krankenhaus bis zum OP nach Hause, also ins Wohnmobil, schicken wollen, kann es nur eine Antwort geben: NEIN! Ich geh hier nicht weg.

Was ist passiert

Am Samstag wollten wir eine Tour auf der Korkenziehertrasse von Solingen nach Wuppertal machen. Seit zwei Tagen hatte es nicht mehr geregnet, die Sonne schien ohne Wolken vom Himmel und wir wollten einfach mal wieder unterwegs sein, Kilometer machen. Aber nach 6 km war die Tour zu Ende.

In einer abschüssigen S-Kurve hinunter in einen Tunnel, hatte sich Eis gebildet, denn vom Tunneleingang tropfte Wasser auf die Fahrbahn. Als die Frage „Hast du dir weh getan“ mit „Sehr“ beantwortet wurde und ich bei meinem Check feststellte, das der linke Oberarm nicht bewegt werden konnte, stand meine Diagnose fest. Schultergelenkluxation oder, und das war wahrscheinlicher, eine subkapitale Humerusfraktur. Mein ehemaliger Beruf als Rettungsassistent zahlt sich immer noch aus.

Ich brachte Claudia zur einer Bank und knallte die restlichen 5,5 Kilometer zurück zum Auto. Wir waren glücklicherweise mit dem Vito von Marco unterwegs. Eigentlich wollten wir die 8 Kilometer zu Trasse auch mit dem Rad fahren, aber da Marco im Urlaub war, mussten wir für ihn ein Paket vor Ablauf der Frist bei der Post abholen.

Nachdem ich Claudia und das Rad im Vito hatte, kam die Idee von Claudia: Wir fahren nach Hause und machen etwas Salbe drauf. Nope, wir fahren jetzt in ein Krankenhaus und du kannst dich seelisch und moralisch schon einmal auf eine OP vorbereiten.

Nach einem kurzen Anruf in Österreich, dort waren unsere Freunde im Urlaub, hatte ich ein Ziel, die St. Lukas Klinik in Solingen. Sehr praktisch, das liegt nur 5 km vom Standort unseres Wohnmobils entfernt, eine lockere Strecke für das Rad.

Nach der Diagnose ging es wieder nach Hause, es war ja Wochenende. Die Besprechung der Röntgenbilder mit dem Oberarzt findet erst am Montag statt. Gelitten wird zu Hause, mit Ibuprofen, aber wozu hat man Freunde 😉

Montag, nein Mittwoch

Am Montag fanden wir uns wieder im Krankenhaus ein und nach Stunden wussten wir, dass die OP erst am Mittwoch statt finden wird. Nochmal zwei drei Tage Schmerzen ohne Sinn, nach einer OP weiß man wenigstens, dass es jetzt bergauf geht, aber fünf sechs Tage bis zur OP waren schon eine harte Nummer.

Aber jetzt geht es bergauf, nein doch nicht.

Ich muss mal telefonieren.

Während ich diesen Text schreibe, liegt Claudia im OP und der Arm wird mit ein oder zwei Platten verschraubt.
Moment mal, wie kann jemand in Narkose eine Nachricht schreiben. „OP verschoben auf morgen„. Ich muss mal telefonieren.

Ich werde welk, die Latex-Allergie wurde nicht kommuniziert, war aber auch nur zweimal schriftlich vermerkt worden. Jetzt hatten sie das ganze OP-Besteck mit Latex-Handschuhen an ihren Patschehändchen angefasst.
Das bedeutete den Abbruch der OP-Vorbereitungen, weil der OP-Saal nicht auf die Schnelle neu bestückt werden kann. Neuer Termin heute, sie hat die Pole-Position.

Übrigens, sie wollten Claudia danach tatsächlich wieder nach Hause schicken, aber du weißt ja jetzt Bescheid: NEIN! Ich geh hier nicht weg.

Wenn alles gut klappt kann sie am Montag nach Hause, den ursprünglichen Entlassungstermin am Samstag werden sie wohl jetzt nicht mehr halten können. In vierzehn Tagen darf Claudia anfangen den Arm zu bewegen. Wir sehen Licht am Ende des kurzen Tunnels.

Sie hat ja ein Ziel, Anfang September eine Runde im Kletterpark in Traben-Trabach.

Ein ganz großes Dankeschön an unsere Freunde, die uns in den letzten Tagen geholfen haben und die teilweise auch weite Strecken auf sich genommen haben. Ihr seit spitze.

Die Idee mit dem Fahrrad ins Krankenhaus zu fahren habe ich erst einmal gestrichen, es liegt Schnee und ich sollte mich jetzt besser nicht auf die Schnauze legen.

Zuletzt noch zwei weitere Tipps. Nicht nachmachen, lass es einfach, wir können die Verletzung nicht empfehlen. Bist du beratungsresistent, dann nimm wenigstens diesen Tipp an: Mach es nicht am Wochenende!

Mögliche Fehler bitte ich schon einmal zu entschuldigen, die Lektorin hat es vorgezogen sich narkotisieren zu lassen.

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24 Kommentare zu “Nach dran kommt ab”

  1. Günter Friedrich Büsing

    Gute Besserung, nur die Harten komm in Garten.
    Freundliche Grüsse Roswitha & Günter Büsing TF

  2. Ulrich Faust

    Von Herzen erstmal eine gute OP und dann gute Besserung! Schulter ist wirklich blöd! Shit happens…..bei fachlichen Fragen sind wir gerne für euch da. (Ist unser Tagesgeschäft).

  3. Doris Tappert

    Was für eine Odyssee!!!!! Liebe Claudia wir wünschen dir von Herzen gute Besserung‍♀️ Lass den Kopf nicht hängen und
    mach das BESTE drauss! Wir hoffen das die Schmerzen schnell nachlassen.

    Liebe Grüße!

  4. Karin Thomsen

    Ihr habt euren Humor nicht verloren.. Das ist wichtig. Schulter ist komplex und immer schwierig. Eine gute anschliessende Physiotherapie ist sehr wichtig, aber wem sag ich das.. Ich wünsche euch beiden von Herzen alles Gute und
    Danke dafür, dass Du trotzdem noch Zeit und Nerven aufbringst, eure „Blogfans“ teilhaben zu lassen.. auch wenn es mal nicht so toll läuft!

    1. Andreas

      Vielen Dank,

      das Schreiben ist auch eine Art der Ablenkung.
      OP ist gelaufen, jetzt sollte es jeden Tag ein kleines Stück bergauf gehen. Erst ganz langsam und dann immer schneller.

      Gruß
      Andreas

  5. Rolf

    erstmal gute Besserung und „Kopf hoch“, es hätte schlimmer kommen können.

    Aus eigener Erfahrung, es ist besser einen Sturkopf zu haben als auf einen gesunden Menschenverstand zu hoffen.

    Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

  6. Oswald

    Moin!

    Euer Jahr fängt ja bescheiden an. Ich drücke Claudia die Daumen, dass alles gut verheilt und Gute Besserung. Dir wünsche ich die Zeit ihr beizustehen.

    Gruß Oswald

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