Pyrenäen
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Roadbook – Navarrenx bis Hendaye – Alleine in den Pyrenäen

von Andreas

Einen Monat waren wir entlang der Pyrenäen unterwegs vom Mittelmeer bis zum Atlantik und haben dabei eine Strecke von etwa 620 km zurückgelegt. Am 5. April verließen wir das Mittelmeer und sind am 04. Mai in Hendaye am Atlantik eingetroffen. Das macht bei einer Reisezeit von 29 Tagen einen Schnitt von 21,4 km am Tag.


Unser Platz am Gave d’Oleron bei Navarrenx war der Anfang einer sehr schönen Zeit. Der Beginn einer Reise in eine andere Welt. Wir haben tagelang nicht ein einziges Wohnmobil gesehen. Es gab keine Discounter und keine Geschäfte auf der in Frankreich so beliebten grünen Wiese. Natur pur in den Pyrenäen.

Frankreich und die Zone commercial
Leerstehende Geschäfte in den Innenstädten und Landwirte, die für noch mehr Gewerbegebiete enteignet werden. Wer mehr über diese verhängnisvolle Entwicklung in Frankreich erfahren möchte, sollte sich auf Youtube die arte-Dokumentation „Zerteiltes Land“ anschauen. Außerdem gibt es in der taz noch einen Artikel über Albi und beim ZDF einen Bericht über Troyes.
Nach Navarrenx ging es über die D115 und D243 Richtung Espes, ein kurzes Stück die D11 und dann auf die D344 nach Ainharp. Das ist keine Strecke für schwache Nerven, nicht mal das Auto von Google Street-View hat sich anscheinend hierher getraut und diese Straße einfach ausgelassen. Das sind Steigungen von 19%, eine sehr enge Fahrbahn und tief hängende Äste. Wir haben einen persönlichen Rekord im Rückwartsfahren aufgestellt und sind gut einen halben Kilometer zurück zur nächsten Ausweichmöglichkeit um einen Trecker mit Hänger passieren zu lassen.
Über Lohitzun-Oyhercq fanden wir einen schönen Platz über dem Tal und blieben zwei Tage, bevor es weiter über die D242 und D933 nach Ostabat-Asme ging.

Col d’Ipharlatze

Geier in den Pyrenäen

Geier in den Pyrenäen

Wir erreichten gerade die höchste Stelle des Col d’Ipharlatze, als keine 20 m vor uns ein Geier fast in Augenhöhe die Fahrbahn querte. Weitere Geier tauchten auf und wir parkten den Camper. Keine 100 m von uns entfernt saßen unzählige Geier zu Tisch und ließen sich auch nicht von unserer Anwesenheit stören.

Ein Erlebnis, das man in dieser Form nur selten hat. Nachdem alle Geier verschwunden waren, schauten wir uns den Mittagstisch mal genauer an. Außer Knochen war von der Ziege nichts mehr übrig.

Starrende Kühe

Starrende Kühe

Wir blieben und unsere Nachbarn waren jetzt Kühe, Ziegen, Schafe und Pferde, die hier frei und ohne Zäune leben und auch mal unvermittelt neben unserem Camper standen. Zwei Tage später wurden wir von einem der Bauern, dessen Kühe hier unterwegs waren, und seinem Sohn mit Handschlag begrüßt. Es kann dir aber auch passieren, dass ein Bauer dich fragt, ob du seine Tiere irgendwo gesehen hast, so ist es unseren Freunden Sandie und Karsten von Ewald on tour in den Pyrenäen passiert ist. Die Weiden sind riesig, bei uns waren es über 20 km, wie mir der Bauer sagte.

Pferd mit Fohlen

Immer auf Abstand bedacht

Die Nächte waren so still und dunkel, wie wir es bisher nicht oft erlebt haben. Eigentlich ideale Bedingungen für Bilder von der Milchstraße, nur leider war mir dieser Berg im Weg, aber irgendwas ist ja immer.

Auch die Tage bekommen hier so einen wunderbaren Flow, der einfach gut tat. In dieser völligen Abstinenz störender Einflüsse bekommt gerade Facebook ganz schnell etwas von einem grölenden Betrunkenen, der deine Ruhe stört.

Aber es war wirklich unglaublich, egal, wie abgelegen wir auch standen, es gab immer Internet und meistens sogar LTE.

Wir wandern auf alle Gipfel um uns herum und genossen die Blicke ins Tal, in die Ferne und absolute Ruhe, so könnte es immer sein. Außer Vögel, Insekten und Grillen war hier oben nichts zu hören. Und während wir gedankenverloren in die Weite schauen, pirschten sich hinter uns die neugierigen Kühe auf wenige Meter heran und schauten sich uns Menschen an, wie wir Tiere im Zoo.

Apropos Kühe
Wie verhalte ich mich richtig?

  • Hunde gehören in solchen Gegenden immer an die Leine, darauf weisen auch viele Schilder immer wieder hin. Warum? Eine Kuh kann zwischen einem Räuber wie dem Luchs oder Wolf und einem Hund nicht unterscheiden.
  • Keine hektische Bewegung, eine Kuh erkennt Bewegung nicht als Film, sondern als einzelne Bilder und Kühe sehen nur direkt vor der Nase dreidimensional
  • Merke: Ist der Kopf unten und die Stirn ist der vorderste Punkt: Zeit zu gehen, langsam rückwärts von der Kuh wegbewegen.
  • Finger weg von den Kälbern, Kühe sind Herdentiere und würden im Ernstfall zusammen angreifen, um das Kalb zu verteidigen.

Und noch etwas. Die Farbe Rot ist Kühen und Stieren völlig egal, weil die Tiere nur blau und gelb als Farbe erkennen, weil blau und gelb grün ergeben.

Nach drei Nächten sind wir weiter, nur über, teils unbefestigte Nebenstraßen, die kaum breiter wie unser Wohnmobil waren und sind auf dem Col des Palombières gelandet.

Saint-Jean-Pied-de-Port

Im Tal von Aldudes

Im Tal von Aldudes

Nach zwei weiteren Nächten mussten wir leider zurück in die Zivilisation, denn mittlerweile war der Blick in den Kühlschrank ein Blick ins Nichts. Also fuhren wir nach Saint-Jean-Pied-de-Port, füllten den Kühlschrank und am Stellplatz des Ortes das Wasser auf. Die Idee den Ort zu besichtigen wurde angesichts der Käfighaltung auf diesem Stellplatz und dem Trubel in dem Ort ganz schnell zu den Akten gelegt. Wir verließen Saint-Jean-Pied-de-Port Richtung Aldudes und zuletzt wurde es richtig eng.  Auf der unebenen Straße berührte das Wohnmobil trotz Schrittgeschwindigkeit beim Schaukeln die Bäume längs des Weges und letztendlich musste Claudia vor dem Auto herlaufen und mich einweisen. Rechts Erdrutsch, links die Tiefe und oben Äste, wir schoben uns zentimeterweise nach vorne. Ein wunderschönes Tal und wir fanden auch einen genialen Platz, aber leider regnete es so stark, dass eine Wanderung eher einer Dusche gleich gekommen wäre.

So ging es am nächsten Tag weiter nach Mendionde und einen Tag später nach Espelette. Auch hier waren alle Stellplätze belegt. Wir parkten das Auto etwas illegal auf einem der vielen Parkplätze für die Touristenbusse und besuchten schnell den kleinen Ort.

Piment d'Espelette
Chilis auf Schnüren

Chilis auf Schnüren

Aus  der Region um den Ort kommt das berühmte Piment d’Espelette, unverzichtbar für die baskische Küche. Gewonnen wird es aus einer Chili-Sorte, die hier im Baskenland wächst. Der Chili ist angenehm scharf, sehr würzig und fruchtig. In Espelette und Umgebung, aber auch in Saint-Jean-de-Luz kann man außer dem Gewürz aus der getrockneten Frucht noch viele weitere interessante Erzeugnisse aus diesem Chili kaufen. Sehr empfehlenswert ist das Gelee und das Püree.

Idoki
Besonders empfehlenswert sind die Produkte von Idoki. Das ist ein Zusammenschluss von etwa 200 Bauern im Baskenland. Die Produkte dieses Labels kommen aus einer ursprünglichen Landwirtschaft mit kleinen Betrieben, nachhaltig und werden direkt vertrieben. Auf der Website von Idoki kann gezielt nach Produkten gesucht werden, sieht welcher Bauer wo verkauft und wann das Geschäft auf seinem Hof geöffnet ist.

Wir fuhren die letzten 20 km zum Atlantik und waren nun wieder endgültig in der normalen Welt. Es ist erst Anfang Mai und alle Stellplätze waren voll belegt und wie auch an Teilen des Mittelmeers wimmelt es hier nur so von Verboten. Willkommen am Meer. Hendaye, Saint-Jean-de-Luz, nirgendwo war ein Platz frei und so verbrachten wir eine laute Nacht zwischen den beiden Orten an der D912 .

Wir lieben das Meer, aber uns beschleicht mehr und mehr das Gefühl, das wir hier nur im Winter glücklich werden. Über die Zuwachsraten der Wohnmobilbranche freuen sich wohl überwiegend auch nur noch die Fahrzeug- und Zubehörhersteller so richtig. Schon jetzt begegneten uns auf der Fahrt nach Capbreton die Wohnmobile im Minutentakt.

Wieder zurück in die Pyrenäen

Zurück in die Pyrenäen

Zurück in die Pyrenäen

Wir werden noch bis zum Becken von Arcachon dem Atlantik folgen und dann in einem Bogen zurück in die Pyrenäen fahren. Wir wollen zurück in die Wildnis und noch mehr von den Pyrenäen sehen. Vielleicht bekomme ich dann auch endlich die Milchstraße vor die Linse.

Route

Bilder

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10 Kommentare zu “Roadbook – Navarrenx bis Hendaye – Alleine in den Pyrenäen”

  1. Reiner von Rokeslage

    wieder ein toller Bericht, der Lust auf mehr macht. Wenn ich nicht schon in dieser gnadenlos beeindruckenden Gegend dieses Planete leben wuerde (zumindest temporaer), bekaeme man Lust, sofort loszufahren. Ueber das Piment d’Espelette hatte mir mal jemand gesagt, dass es nicht sooo scharf waere. Hab ich dann gleich mal ausprobiert. Nachdem ich das Essen weggefuttert hatte, dauerte es etwa drei Stunden, bis ich wieder etwas artikulieren konnte 😉 Euch noch eine schoene Reise…. und fuer den Milky way druecke ich mal die Daumen. Gruss aus Canet d´Aude, Reiner

  2. Christoph

    Hallo ihr zwei… ich lese hier seit einigen Wochen begeistert mit. Wir waren im September 2015 in den Pyrenäen unterwegs: Kleiner TIpp, wenn ihr wieder zurück dorthin fahrt: Quer die Berge durch den TUnnel von Bilsa. Kurz dahinter gibts ein tolles Tal, an dessen Ende man hervorragend stehen und wandern kann: Valle del Pineta. Das Städtchen Ainsa danach ist auch ein Traum und im Umkreis gibts tolle Schluchtenwanderungen.

  3. Michael Mönsters

    Tolle Bilder und fein geschrieben!
    Waren die engen Straßen eine Überraschung oder seid ihr auf absoluten Nebenstrecken gefahren, die man normalerweise mit dem Womo nicht befährt?
    Eure Schilderung vom Stehen am Meer hört sich ja nicht so pralle an… Wenn das jetzt schon so voll ist, will ich mir den Sommer erst gar nicht vorstellen…

    Liebe Grüße, Michael

    1. Andreas Reufenheuser

      Hallo Michael,

      vielen Dank für die anerkennenden Worte.

      Teilweise waren die Straßen schon eine Überraschung, da die mit D und drei Zahlen gekennzeichnet waren. Normalerweise kannten wir bei solchen Strecken nur die Kennzeichnung mit dem Buchstaben C oder D mit 2 Zahlen und einem Buchstaben (D4E9). Aber man lernt nie aus, wir hatten mittlerweile auch umfestigte D-Straßen

      In Sommer werden wir uns in wenig besuchte Gegenden Frankreichs verdrücken.

      Gruß
      Andreas

  4. Peter Koch

    Hallo ihr Zwei!

    Sehr gut, sehr schön, Daumen hoch für Text und Bilder!

    Gut auch die Hinweise mit den Rindviechern! Mir hat das mal einen Schrecken eingejagt,als sich ein Milchtier nachts an der hinteren Ecke den Rücken und die Schulter gerieben hatte….. Meine Hoffnung war nur, dass nicht mal versehentlich das mit dem Kopf herumgewirbelte Horn durch die Sandwich-Platte gedrückt wurde, aber nochmal alles gut gegangen.

    Ansonsten alles genau so, wie du es beschrieben hast, ich erinnere mich gut, auch was die überlaufenen und zwangsläufig reglementierten Küstenabschnitte sehr gut beschreibt. Ein Graus für jeden, der nicht nur zum Urlaub das Womo nutzt….

    Am Arcachon – Becken geht es genau so zu, nur die Mücken werden hier viel größer und lästiger, ebenso die Pferdebremsen. Dort habe ich mich nie besonders wohl gefühlt, obwohl ich immer wieder dorthin gefahren bin, war nix. Keine ordentlichen Stellmöglichkeiten und alles voller Touristen, alles verboten und echt teuer. Ich bin zwar nicht der Ober – Billigheimer, aber das war schon Abzocke in reinster Form.

    Gut, dass man Alternativen hat, wie die herrlichen Berge der Pyrenäen und/oder des Vorlandes (Corbieren z.B. mit den Kartharer – Burgen) oder die Naturparks in den Hochtälern oder an den kalten Stauseen. Da trauen sich auch nicht so viele hin weil es da Dellen in den Seiten gibt von den Ästen – du hast es richtig beschrieben. Viele mit den meist Frontgetriebenen Wagen meiden auch die unbefestigten Wege mit den knackigen Steigungen, unser Vorteil!

    Nun ja, ich könnte lange weiter ins Schwärmen geraten: Euch viel Gesundheit und eine schöne Zeit! Gute Reise.

    Pedda

  5. Marc

    Wow, schöne Fotos aus den Pyrenäen! Da wollen wir auch unbedingt mal hin… Viel Spaß beim Weiterfahren und macht nicht so schnell 😉
    Liebe Grüße aus Bayern, Marc und Selena

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