Roadbook – Von Soulac-sur-Mer bis zur Île d’Oléron

Andreas
Île d'Oleron

Die Insel Île d’Oléron? Liegt die nicht noch nördlicher als Soulac-sur-Mer? Aber war nicht die Rede vom Departement Gers und den Pyrenäen?

Ja, das Leben ist unberechenbar und wir so wie so. Aber dazu später mehr.

Soulac-sur-Mer

Solulac-sur-MerDie im letzten Beitrag angesprochene Veranstaltung haben wir gleich mehrfach besucht. Soulac 1900, wie der Name schon sagt, eine Hommage an die Zeit um 1900. Mit Oldtimern, Kutschen, viel Musik und vielen Einwohnern in der Kleidung aus dieser Zeit. Wir hätten uns auch entsprechend kleiden können, denn es gab auch einen Kostümverleih.

Beeindruckend und erschreckend war der Anblick der Zerstörungen vom Orkan Xynthia, der hier 2010 gewütet hat. Dieses Gebäude, die Residence le Signal, im Bild links stand vor dem Orkan 200 m vom Strand entfernt, dazwischen lagen Dünen. Nun steht es direkt an der Brandungslinie, wurde geräumt und muss abgerissen werden.
Eigentlich hätte das Gebäude dort nie stehen dürfen, denn auf der gesamten Halbinsel darf kein Bauwerk mit mehr als zwei Stockwerken gebaut werden. In Lacanau und hier wurde das Verbot umgangen und nun scheint die Natur bei der Einhaltung der Gesetze nachhelfen zu wollen. Die Gebäude in Lacanau haben durch ihren Einfluss auf den Wind und damit auf die Dünen den Sand zum wandern gebracht und drohen mittlerweile zu versanden.

Le Verdon-sur-Mer

Le Verdon-sur-MerWir hatten nun den nördlichsten Punkt der Halbinsel Medoc erreicht und schlugen in dem schmalen Stück Land zwischen Atlantik und Gironde Wurzel. Hier bedeutete das allerdings, dass die Schnecken sich unserer Felgen bemächtigten und dort Schutz vor der Hitze am Boden suchten.
Der Stellplatz direkt am Ufer der Gironde war traumhaft, ruhig und mit feinstem Internet. Auch für Unterhaltung war gesorgt, wir konnten den Schiffsverkehr von und nach Bordeaux beobachten. Die Versorgung mit Lebensmittel war durch einen 2,2 km entfernten Supermarkt gesichert.

Wenn man da so rum steht, kann es passieren, dass dich jemand um Hilfe bittet ein Boot zu Wasser zu lassen. Kein Problem, das hätten wir dann auch gelernt.

Wenn uns der Anblick der Gironde zu fad wurde, liefen wir in 15 Minuten zum Strand des Atlantiks und konnten dort auf den König der Leuchttürme schauen , den Phare de Cordouan.

Phare de Cordouan
Der dienstälteste Leuchtturm Frankreichs, seit 1611 in Betrieb. Der 68 m hohe Turm kann unter anderem von Le Verdon-sur-Mer aus besichtigt werden.

Sieben Tage blieben wir an Ort und Stelle und nur das Jammern der Wasserpumpe konnte uns letztendlich überzeugen weiter zu fahren. Die tägliche Fahrleistung war zu diesem Zeitpunkt auf knapp 6 km gefallen, wir konnten die 9 km aus dem letzten Roadbook also doch noch unterbieten.

Arcins

ArcinsUnd so fuhren wir auf der D2 entlang der Gironde bis nach Arcins. Am Ufer fanden wir einen wunderschönen Platz mit vielen, hier typischen Carrelets. Das sind die Fischerhütten auf Stelzen. Einige dieser Hütten werden wohl auch für andere Gelegenheiten benutzt. So trifft man sich mit Freuden zum Abendessen oder übernachtet dort. So auch in unserer ersten Nacht in Arcins. In dieser bestimmten Hütte, so meine spätere Recherche, war kein Platz und so wurde draußen geschlafen. Ihre Schreie halten über den ganzen Fluss und nein, sie wurde nicht ermordet.
Die zweite Nacht sollte nicht minder ereignislos verlaufen. Schon am Nachmittag erschien das erste Auto mit Jugendlichen. Der Bass französischer Rapper wummerte durch unseren Camper. Na klasse und plötzlich stand einer der Jungs auch noch vor unseren Auto. Seiner Frage konnte ich nicht sofort folgen, hatte der mich wirklich gerade gefragt, ob uns die Musik zu laut sei? Kein Problem, so meine Antwort, wir können mithalten. Gesagt getan, in einer kurzen Pause, in der wieder ein neues Lied gesucht wurde, hämmerten wir den Jungs Materia und Seed entgegen und unsere Anlage war entscheidend bassfester. Wir ernteten einen Daumen nach oben.

Die Gruppe wurde größer und lauter, erneut stand jemand vor unserem Wohnmobil. Machen wir es kurz, wir wurden eingeladen, der Whiskey-Cola floss in Strömen und wir können jetzt Boule, mit allen Regeln und etlichen Wurftechniken.

Warum haben wir uns nicht beschwert?
Das ist ganz einfach zu erklären. Wir waren hier Gäste und dies war mit Sicherheit eine Partylocation der Jugendlichen hier. Unsere Alternativen waren also akzeptieren oder wegfahren.
Unsere Gelassenheit und Respekt bescherte uns einen schönen Abend.

Cozes

CozesAm nächsten Tag ging es in einem Rutsch über Bordeaux wieder die Gironde hinauf bis nach Cozes und seiner imposanten Markthalle aus dem 15. Jahrhundert. Hier im unteren Teil der Halbinsel reihen sich die Schlösser wie Perlen auf einer Kette. Das Bekannteste dürfte Lafite-Rothschild bei Pauillac sein. Wir aber wollten bei 34 °C wieder ans Meer, blieben dann aber doch zwei Nächte in Cozes und ließen uns grillen, um nicht mit den Wochenendurlaubern auf der Île d’Oléron zu kollidieren.

Grotten von Régulus
In der Höhe von Cozes liegen am Ufer der Gironde die Grotten von Régulus und Matata.

Île d’Oléron

Île d'OléronDie Île d’Oléron ist nach Korsika die zweitgrößte Insel Frankreichs und aufgrund der idealen Bedingungen einer der bedeutendsten Regionen der Austernzucht. Die Insel ist über das fast 3 km lange Viaduc d’Oléron zu erreichen.

Saint-Trojan-les-Bains

Der Stellplatz von Saint-Trojan-les-Bains ist zwar kostenlos, aber wieder so eine Nummer zehn PKW-Parkplätze ergeben 10 Stellplätze. Egal, tagsüber sind wir nicht da und abends … Wo kommt verdammt nochmal diese geile Musik her, die hier durch den ganzen Ort schallt? Raus und suchen. Wir fanden die Konzerte vor dem Restaurant LE BOUN‘. Das Ganze an einem Mittwoch, bis morgens um 03:00! Die Menschen tanzten auf der Straße, nicht ein PKW hat gehupt, keine Gendamerie, keine empörten Anwohner.

Wir fuhren mit den Bikes auf dem fantastischen Radwegenetz der Insel unter anderem nach Le Château-d’Oléron, die Fahrt dorthin durch die Salzgärten erinnerte uns an die Camargue, sogar der Geruch war identisch, nur die Flamingos fehlten.

Tipp: Le Port des Salines
Zwischen Le Grand-Village-Plage und den Salinen liegt Le Port des Salines . Hier findest du regionale Produkte, Kunstgewerbe und ein Ecomuseum zur Salzgewinnung.
Im Hafen von Le Port des Salines finden sich ebenfalls viele farbenfrohe Cabanes, die von Künstlern benutzt werden.

Sind wir eigentlich der Hitze entkommen? Nicht wirklich, die Temperatur erreichte auch hier die 34 °C, aber das waren wenigstens 5 °C weniger als wir in Cozes gehabt hätten und dazu noch etwas Wind.

La Brée-les-Bains

Nach drei Nächten fuhren wir an das nördliche Ende der Île d’Oléron, nach La Brée-les-Bains. Die Hitzewelle war zu Ende, endlich wieder eine Nacht mit nur 20 °C. Von hier aus erkundigten wir  mit den Rädern den nördlichen Teil der Île d’Oléron.
Nach sechs Tagen verließen wir die Île d’Oléron schweren Herzens, wir hätten hier noch viel länger verweilen können. Und ich denke auch, das wir wiederkommen werden, dann allerdings schon im April oder Mai.

Ein paar Tipps zur Île d'Oléron im Überblick
  • Das Sumpfgebiet Marais aux Oiseaux mit vielen seltenen Tierarten
  • Das Freilichtmuseum Port des Salines in der Nähe von Grand-Village
  • Der Leuchtturm Phare De Chassiron an der Nordspitze der Insel mit seinem tollen Garten
  • Das Künstlerviertel „Coleurs Cabanes“ am Hafen von Le Château-d’Oléron
  • Fort Paté, ebenfalls am Hafen von Le Château-d’Oléron
  • La Citadelle von Le Château-d’Oléron
  • Die Künstler-Cabanes im Hafen von Saint-Trojan-les-Bains
  • Das Mimosenfestival im April in Saint-Trojan-les-Bains
  • Das Fort Boyard, bekannt aus der gleichnamigen Spielshow. Von Boyardville aus bringen Boote Besucher zum Fort.

Für uns ist dieser Abschnitt der Küste, von Cap Ferret bis zur Île d’Oléron, bis jetzt der Schönste in Frankreich gewesen. Der Verzicht auf eine ausufernde Bebauung durch Hotelburgen und Ferienanlagen und die vielen Naturschutzgebiete machen diese Region einfach zu etwas Besonderem.

Le Nord

Wir haben einfach beschlossen die komplette Küste Frankreichs abzufahren, egal, ob jetzt die Hochsaison beginnt oder nicht. Wir ziehen das jetzt durch. Und so ist unser nächstes Ziel La Rochelle.

Noch etwas Augenfutter

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6 Kommentare zu “Roadbook – Von Soulac-sur-Mer bis zur Île d’Oléron”

  1. Ulrich Faust

    Wir kommen ab dem kommenden WE „euch entgegen“, freuen uns sehr auf die wunderschöne Küste Frankreichs. Wenn es passt und ihr Lust zu habt, können wir uns ja mal treffen. On the way….

  2. Peter Koch

    ….. ich bin noch, da!!, allerdings weiterhin positiv sprachlos.

    verdammich, ihr macht das richtig toll. Die Infos wird viele Leute, die Augen im Kopf haben, lesen und verstehen können, nach Frankreich locken. Meiner Meinung nach sehr schön, wie ihr mein Lieblingsland „erfahrt“ und beschreibt.

    Bin auch gerade auf Tour und grase mal das alte Deutschland ab. Es gibt auch hier eine Menge zu entdecken , abseits der normalen Touristenwege, aber ich werde es nicht publizieren, weil „meine Plätze“ echt geile Plätze sind/waren, die sofort alle Rentner in den Plastics anlocken würden. Das wäre einfach zu schade……

    Aktuell der mittlere Rhein, nachdem ich den oberen und das obere Donautal „durch“ habe. Waren bislang 5 Wochen bei wahnsinnig gutem Wetter. Erst heute Nacht hatte ich den ersten Regen in der Zeit. War und ist eine Erholung.

    Aber genug. Zu euch: weiterhin eine gute Reise, ein schönes Leben und bleibt gesund……

    Der Pedda

    1. Andreas Reufenheuser

      Danke

      unsere Plätze verraten wir auch nicht, damit wir sie so wiederfinden, wie wir sie gefunden haben, nämlich für uns alleine.

      Im Moment haben wir auch immer wieder Schauer, ist nach so viel Sonne auch mal eine Erholung.

      Gruß und viel Spaß in D.
      Andreas

  3. Claus Camping-Car

    Île d’Oléron ist wunderschön mit endlosen Radwegen (über 120 km). Man sollte sie jedoch im August meiden (Urlaubszuiel Nr. 1 der Franzosen). Wir sind mindestens 1x im Jahr mit unserem Womo dort. Eure Fahrt geht weiter, La Rochelle als Stadt und das Aquarium ist ein Besuch wert. Daneben die Île de Ré. Zu erreichen über eine kostenpflichtige Brücke. Sie ist zwar lieblich und schön, aber um einiges teurer, als Oléron – die „Schönen und Reichen“ aber vor allen Dingen die Engländer sind der Grund dafür. Nördlich davon solltet ihr das Marais mitnehmen und an der Küste dann zur bezaubernden Île de Noirmoutier fahren. Falls Ihr Zeit habt, unbedingt „Puy-du-Fou“ besuchen. Über Norimoutier, das Marais und Puy-du-Fou könnt ihr auch auf unserer Seite einiges lesen. Weiterhin gute Fahrt.

    1. Andreas Reufenheuser

      Im Marais Poitevin, ich nehme mal an, dass du diesen Sumpf meinst, sind wir gerade.

      Puy-du-Fou lassen wir aus, ist nicht so unser Ding und die Preise ziemlich gesalzen.

      Auf der Île de Rè war ich vor vielen Jahren schon einmal, wird aber dieses Mal übersprungen.

      Gruß
      Andreas

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