Le Crotoy

Roadbook – Le Hourdel nach Hardelot-Plage

von Andreas |

Nach der zweiten Woche in Le Hourdel an der Somme-Bucht sind wir 23 km nach Le Crotoy, auf der anderen Seite der Somme-Bucht. Mittlerweile sind wir in Hardelot-Plage gelandet.

Le Crotoy

Le CrotoyDiese Seite der Somme-Bucht ist völlig anders, irgendwie weicher. Hier gibt es keinen Strand mit Kies, sondern Sand. Bei Ebbe sind das unglaubliche Weiten. Direkt an der Dünenkette ist der Boden so fest, dass wir hier mit den Rädern kilometerweit am Strand fahren konnten.

An diesen Ort kommen wir mit Sicherheit noch einmal zurück, dann aber im Herbst oder Frühjahr, wenn die Millionen von Zugvögel in der Bucht Rast machen.

Merlimont-Plage

Merlimont-PlageAm nächsten Tag ging es gleich weiter. Nach der Somme-Bucht gibt es Richtung Norden zwei weitere Buchten, nämlich die Authie-Bucht bei Berck und die Canche-Bucht bei Le Touquet-Paris-Plage.
Strategisch günstig haben wir uns in der Mitte der beiden Mündungen positioniert, nämlich auf dem kostenlosen Stellplatz in Merlimont-Plage.

Die nächsten acht Tage stand unser Wohnmobil und wir haben über 100 km auf den Rädern und zu Fuß absolviert. Wir waren in beiden Buchten und in den Marais (Sümpfe) im Hinterland. Wir waren in Berck, wir waren in Stella-Plage und in Le Touquet-Paris-Plage, wobei die zwei letzten Orte es problemlos auf unsere Liste „Orte, die man nicht gesehen haben muss“ schaffen. Stella-Plage war mit einer der unwirklichsten Küstenorte, die wir je zu Gesicht bekommen haben. Alle Straßen laufen wie Strahlen zu einem Platz in der Mitte der Strandpromenade, ein Platz, bei dem du das Gefühl bekommst, in einem Ghetto gelandet zu sein.

Montreuil-sur-mer

Unser nächsten Ziel war Montreuil-sur-mer an der Canche, das in den 100 schönsten Umwegen Frankreichs aufgeführt wird. Ein schöner, kleiner Ort mit einer imposanten Zitadelle und wie so oft, hat auch hier Vauban seine Finger im Spiel. Er hat sie zwar nicht gebaut, aber 1670 verbessert.

Fledermäuse
Die Zitadelle steht nicht nur unter Denkmalschutz, sondern auch unter Naturschutz, denn in diesem Bauwerk leben sage und schreibe 13 Fledermausarten.
Überhaupt hat es uns gefallen, dass die Stadt sehr dem Naturschutz verbunden ist. Die Stadt hat Bienenstöcke aufgestellt, es gibt Insektenhotels und große Teile der Wiesen sind nicht gemäht.
Wir haben den Ort einmal komplett auf den Mauern der Zitadelle umrundet und am nächsten Tag sind wir bei sehr bescheidenem Wetter den 7 km langen Weg gelaufen, der außen vor den Mauern der Stadt und zeitweise auch entlang der Canche führt.

So nicht!
Das typische Motorengeräusch eines FIAT Ducato weckt mich, ich drehe mich um, will weiter schlafen. Man, fahr doch endlich los, du Lauch. Ich schaue auf meinen Wecker, 06:53. Der Motor läuft einfach weiter, 07:00, ich glaube mein Schwein pfeift, der lädt seine Batterien, hier auf einem Stellplatz, neben uns, am frühen Morgen.
Jetzt gibt es Saures, ich schaffe meinen Körper vom Alkoven ins Bad und reiße das Fenster auf. Meine Geste lässt keinerlei Raum für Fragen oder Interpretation, der Motor ist innerhalb von 1 Sekunde aus.

12 Stunden später, ein Wohnmobil kommt auf den Stellplatz, parkt und bringt das Notstrom-Aggregat in Stellung. Ich gehe in die Dünen und stecke den Kopf in den Sand. Ich will nicht ins Gefängnis.

Warum fahren so viele neue Wohnmobile ohne Solar rum? Zehntausende von Euros in so eine Kiste investieren, eine fette Sat-Schlüssel auf das Dach knallen und dann an der Solaranlage sparen. Kann man machen, ist dann aber auch Scheiße. Dann musst du eben auf einen Campingplatz.

Hardelot-Plage

Nach zwei Tagen in Montreuil-sur-mer sind wir wieder zurück an die Küste. Unser Ziel war der Hardelot-Plage. Es ist einer dieser Orte, bei dem man nicht weiß ob man ihn nicht besser teilweise niederbrennen sollte. Wieder ein Ort für unsere Liste. Die komplette Strandpromenade ist eine mit teilweise achtstöckigen Gebäuden zugebaute Hässlichkeit, die den verbliebenen schönen Häusern jegliche Geltung nehmen. Es wird uns wohl immer ein Rätsel bleiben, wie man so etwas genehmigen kann und wie man so etwas schön finden kann. Wir würden eine dieser Wohnungen in diesen Betonklötzen nicht einmal geschenkt nehmen. Und es nimmt kein Ende, schon stehen die nächsten Schilder in den Dünen, preisen die kommenden Appartements an und knabbern wieder ein Stück der Natur weg. Das Erscheinungsbild des Marktes am Sonntag sprach Bände, seelenlos, geordnet in Reih und Glied und ohne jeglichen Flair. Das war kein Markt zum Einkaufen, nur ein Markt um gesehen zu werden.

Natürlich wird sich der ein oder andere vielleicht fragen, warum wir dann dort hinfahren. Zum einen muss man es einfach mal gesehen haben, um darüber schreiben zu können und zum anderen gibt es dort einen Stellplatz, etwas abseits, recht ruhig und wir haben wieder einige Kilometer auf den Rädern oder zu Fuß vor uns. So liegt in Richtung Canche-Bucht ein fast 6 km langer  und bis zu 3 km breiter fast unberührter Dünen- und Waldstreifen mit kleinen Seen direkt neben unserem Stellplatz, dort wollen wir wandern gehen.

Außerdem sind es von Hardelot-Plage nur noch wenige Kilometer bis Equihen-Plage und dieser Ort war die Endstation unserer Reise im Nord-Pas-de-Calais im Dezember 2015, damit hätten wir die komplette Küste dieser Region bereist. Zu diesen Ort wollen wir diesmal mit den Bikes.

Und man muss der Realität einfach ins Auge sehen, ohne Stellplatz gewinnst du hier an der Küste keinen Blumentopf mehr. Egal wohin die Augen blicken, ein Schild ist mit Sicherheit schon da: „Interdit aux Camping-Car“. Willkommen in der freien Welt der Camper.

Noch ein bißchen Natur

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2 Kommentare zu “Roadbook – Le Hourdel nach Hardelot-Plage”

  1. Jürgen & Ellen

    Wie wahr, die Sache mit den Verbotsschildern ! Weil das Ganze wohl künftig nicht besser wird …und wir eh keine vollen Stellplätze oder gar Campingplätze mögen…denken wir tatsächlich über eine gewisse ‚Tarnung‘ bei unserem nächsten
    Camper nach. Wir denken, wenn das Fahrzeug nicht direkt als Camper zu identifizieren ist, fällt es nicht so auf.
    Als kleiner Reisebus (Busparkplätze!) normaler Liefer- oder Servicewagen, oder Ambulanz getarnt, hätte man enorme Vorteile !
    Habe soeben tollen Sprinter Ambulanz gesehen, dezent als Camper umgebaut, klasse lackiert, mit Krankentransport-Aufkleber auf den Türen . Der parkte frech, wo es nicht sein sollte…und niemand fühlte sich gestört. Man musste 2x hinsehen, um ihn als Camper zu entlarfen.
    Diese Ambulanz gibts sogar günstig als Allrad…könnte unser nächstes Fahrzeug werden ! Dann schön nach unseren Bedürfnissen mit Küche, Dusche und Trennklo ausbauen, Dach mit Solar vollpacken und fertig !

    1. Andreas

      Oh ja, das ist auch so ein Traum von uns. Kleiner, leichter und inkognito.
      Was mich dann immer abhält, ist die Zeit und das Geld, dass in unserem jetzigen Auto steckt.

      Gruß
      Andreas

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