Roadbook – Von Le Somail nach Barnuyls-sur-mer

Andreas
Le Someil

Le Somail, das ist doch schon ewig her! Stimmt, aber im Moment arbeiten wir intensiv am Blog und so blieb nur Zeit für vorbereitete Artikel.


Le Somail ist einer jener Orte, an die dich der Zufall bringt und der dich dann nicht mehr loslassen will. Wir standen in einem Gewerbegebiet von Béziers und wollten nach gut 170 km einfach nur den nächsten Stellplatz für eine Nacht. Die App von Campercontact spuckte Le Somail in 36 km aus.

Le Somail

Epicerie auf einem in Le Somail

Epicerie auf einem in Le Somail

Neun Tage haben wir in Le Somail direkt am Canal du Midi gestanden. Der Standort ist genial, die Ruhe lässt aber gerade am Wochenende etwas zu wünschen übrig. Viele Spaziergänger benutzen dann diesen Parkplatz für ihre Touren, aber in diesem Fall war uns das ziemlich egal und überhaupt, irgendwas ist ja immer. Viele Wohnmobile kamen nicht vorbei, teilweise waren wir mit einem Dauerbewohner alleine. Wir jedenfalls hatten es überhaupt nicht mehr eilig wieder los zu kommen, wir haben sogar dafür gesorgt, das sich unser Aufenthalt, wenn auch unfreiwillig, verlängerte. Dazu aber später mehr.

Der Stellplatz in Le Somail bietet keinerlei Infrastruktur. Aber die Versorgung mit Lebensmitteln ist gesichert. In Sichtweite liegt ein Schiff mit einer Epicerie und in 2 km Entfernung findet sich ein Intermarche und ein Bricomarche, ein Baumarkt. Hier bekamen wir Ersatz für einen zerbröselten Perlator, sogar Einen mit 70% Wasserersparnis.
Le Somail bietet einige Restaurants und ein Buchantiquariat mit 50 000 Büchern. Der LTE-Empfang ist hervorragend.

Die Zeit am Canal du Midi haben wir neben den Arbeiten am Blog richtig intensiv genutzt. Wir waren in dieser traumhaften Gegend wandern und mit den Bikes unterwegs, in beide Richtungen des Kanals und auf beiden Seiten.

Radfahren am Kanal
Die in Flußrichtung rechte Seite ist zumindest in Le Somail und 30 km Umkreis für Bikes die geeignetere Seite.
Die Wege sind nicht asphaltiert.

Der Hund von Baskerville

Der Hund von Baskerville

Der Hund von Baskerville

Da wir ungern den gleichen Weg hin wie zurück wählen, arten bei uns solche Touren schon mal aus. Die zweite Tour, flußabwärts wurde dann auch richtig geil. Für die Hinfahrt haben wir die linke, also schwierigere Strecke, gewählt. Das ist sinnvoll, denn so können wir es heimwärts einfach laufen lassen. Die Strecke wurde hinter Argeliers immer schmaler und grüner, eigentlich sind wir auf einer Wiese gefahren, als plötzlich neben dem Weg ein Grundstück lag und wir den Hund von Baskerville erblickten. Der große, schwarze Hund aber lag mitten auf dem Weg. In einem Abstand von 50 m musterten wir uns gegenseitig. High Noon am Canal du Midi. Es gab nur vor oder zurück, denn rechts war der Kanal und links waren hohe stachelige Brombeerbüsche, alles keine wirklichen Alternativen. Da der Hund nicht bellte, beschlossen wir den Angriff, besprachen aber vorher noch die Taktik. Sollen wir fahren und so eine höhere Fluchtgeschwindigkeit bevorzugen oder laufen und die Räder als Schutzschild benutzen. Wir wählten verwegen die Variante Speed und stellten erleichtert fest, dass der Hund an der Kette hing. In nur einem Bruchteil einer Sekunden folgte die Ernüchterung, weil die Kette locker bis in den nächsten Ort gereicht hätte. Der Hund stand auf, wir hielten kurz inne, drängten dann aber weiter nach vorne. Und dann fing der Hund an mit dem Schwanz zu wedeln und wollte offensichtlich gestreichelt werden. Na klasse. Der Hund von Baskerville ist ein Kuscheltier.
Aber nun folgte gleich das nächste Problem, wo zum Teufel ist hier eigentlich der Weg? Zurück, ach lass mal gut sein, vielleicht hat der Hund ja mittlerweile Tollwut bekommen und außerdem war die letzte Kanalbrücke schon kilometerweit entfernt. Also runter von den Bikes und gelaufen. Richtig, von schieben habe ich nichts geschrieben, wir haben die Räder auf einer Strecke von 3,5 km teilweise getragen, den Berg hinauf, weg vom Kanal. Den nächsten Ort am Kanal erreichten wir von oben kommend.

Da fliegt mir doch das Blech weg

Nach einer Woche beschlossen wir die Weiterfahrt, fuhren zum oben erwähnten Supermarkt und rollten langsam in die Tankstelle. Blong! Instinktiv ging mein Blick zum Spiegel und wanderte dort in die obere linke Spiegelecke. Irgendwie war da verdammt wenig Luft zwischen Dach und Dach. Ich fuhr langsam wieder raus, stellte uns auf den Parkplatz vom Supermarkt und kletterte auf das Dach. Wir wissen nun Bescheid, der Koffer ist die höchste Stelle unseres Hauses. Alles war noch dran, die Solarpanels, die Antennen und die Dachluken, nur der Koffer stand irgendwie nicht mehr dort, wo er eigentlich hätte stehen sollen. Etwa einen Zentimeter war das Dach der Tankstelle zu niedrig oder wir zu hoch. Also sind wir wieder zurück zum Canal du Midi und haben die Kofferbefestigung wieder repariert. Zwei Tage Zugabe in Le Someil. Ach ja, das Dach der Tankstelle ist nicht umgefallen und hatte auch keine sichtbaren Schäden. Im übrigen haben wir an dieser Tankstelle dann doch noch getankt, die hatte nämlich auch eine LKW-Spur, wie peinlich.

Tipps

Kanalbrücke bei Mirepeisset

Kanalbrücke bei Mirepeisset

Mirepeisset

Vor dem Ort verläuft der Kanal in einer Brücke, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, über die Cesse und nach dem Ort gibt es eine Kanalkreuzung mit dem Canal de Jonction. Entlang diesen Kanals gelangt man nach Sallèles-d’Aude.

Blechfahne in Argeliers

Blechfahne in Argeliers

Argeliers

Kleines Dorf 9 km flußabwärts mit einem sehr schönen Ortskern. In den engen Gässchen erfährt man viel über die Winzerrebellion von 1907, deren Ausgangspunkt in Argeliers war. Es begann mit 87 Menschen und endete mit 800.000 Demonstranten und dem Einsatz des Militärs. Uns wäre dies wahrscheinlich entgangen, denn eigentlich wollten wir hier nur ein Baguette holen, aber eine nette Anwohnerin sah mich fotografieren und machte mich auf die kleine Gasse aufmerksam.

Ventenac-en-Minervois

Das Viertel um die Église Saint-Pierre ist sehenswert und es lohnt sich die Radtour hier zu unterbrechen. Am Kanal ist eine winzige Epicerie in einer Holzhütte, in der wir uns ein frisches Baguette holten. Kurz nach dem Ort verläuft der Kanal in Pont-canal de Répudre über ein kleines Tal und dem Flüßchen Répudre.

Die Ruhe in den teilweise wunderschönen Alleen des Kanals ist einfach herrlich. Wir haben die Zeit in Le Somail sehr genossen.

Irgendwann muss es dann mal weitergehen

Kuschelcamping in Leucate

Kuschelcamping in Leucate

Nach neun Tagen haben wir Le Someil endlich verlassen. Es ging nach Narbonne und dort unter anderem zu einem Decathlon. Claudias Fahrrad zeigte massive Ermüdungserscheinungen an der Gabel und wir brauchten dringend Ersatz. Vielleicht ist so ein City-Bike doch nicht so für das Gelände geeignet. Nun suchten wir nur noch einen Platz für die Endmontage und die Transplantation einiger Ausrüstungsgegenstände vom alten auf das neue Rad. Also auf zum Stellplatz von Narbonne Plage. Dem Gedränge der weißen Ware am Dünenrand entgingen wir, indem wir uns ganz weit nach hinten ins Eck stellten. Um der Pflicht genüge zu tun, gingen wir schnell mal Strand gucken, bevor ich argwöhnisch beobachtet mit der Operation an den Rädern begann. Überhaupt gingen uns hier diese überwiegend deutschen Besitzer der Fahrzeuge aus der Abteilung für Milchprodukte, wahrscheinlich aus Portugal kommend, gehörig auf den Wecker, schon ein freundliches „Bon jour“ wurde teilweise einfach ignoriert. Der Rest ist schnell erzählt, nach einer Nacht in Narbonne-Plage kommt die Steigerung mit Kuschelcamping in Leucate. Erwähnenswert ist der kleine Fischerhafen am Étang de Leucate mit seinem Angebot an frischen Muscheln. Am nächsten Tag fanden wir endlich wieder einen genialen Freistehplatz auf den Klippen bei Barnuyls-sur-mer.

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6 Kommentare zu “Roadbook – Von Le Somail nach Barnuyls-sur-mer”

  1. Peter Koch

    Hallo ihr Zwei,

    liest sich alles ganz prima und es würde mir echt Spaß machen, dabei zu sein. Dort wo ihr gerade unterwegs seid, ist mein Zuhause, da fühle ich mich wohl!! Schön, dass es euch dort auch gefällt und ihr ein paar „Extratage“ am CdM geblieben seid. Der Canal ist wirklich sehr sehenswert, mit seinen Bauten und den anliegenden kleinen Dörfern….

    Sei froh, dass es am Dach nur die Halterung der Box war, hätte auch „ins Auge gehen können, aber die Baumärkte in der Gegend bieten faktisch alles, was man benötigt, um wieder in Gang zu kommen.

    Jetzt in Banyuls ist es ganz anders, wie ihr vielleicht schon bemerkt habt: Die Leute sind anders drauf, die Ebenen sind weg und es gibt stille Ecken, wohin sonst niemand kommt. Auch die Vegetation ist eine völlig andere. Wünsche euch dort viele neue und gute Eindrücke. Ihr werdet euch dort wohl fühlen können, davon bin ich überzeugt.

    Eine schöne Zeit, macht es gut und bleibt gesund…..

    Gruß Pedda

    1. Andreas Reufenheuser

      Hallo Peter,

      also unserer Meinung nach ist die Ecke so ab Collioure mit einer der schönsten Abschnitte am Mittelmeer. Die katalanischen Einflüsse beim Essen sind fantastisch.
      Uns gefällt es dort außerordentlich.

      Gruß
      Andreas

  2. Peter Koch

    Andreas, du hast Recht!

    Aber nicht nur beim Essen. Ich habe festgestellt, wenn du die Leute in ihrer eigenen Sprache anredest, ihnen also zeigst, dass du bemüht bist, in Kontakt mit ihnen zu kommen, so sind sie ausgesprochen freundlich und zugänglich. Nicht umsonst wohnen dort einige meiner besten Freunde….

    Viel Spaß noch,

    Pedda

  3. Jürgen & Ellen

    Da seid ihr ja endlich wieder am Meer ! Anfang Dezember waren wir noch in der Ecke, war noch absolut tot in der Zeit! Jetzt zu Ostern bestimmt ganz belebt dort . Ansonsten alles sehr sehenswert, auch nach Spanien rein !
    Abenteuerlich ist die D 914 Richtung Spanien, dann die N 260 Portbou / Llanca, Das haben wir allerdings frueher mal mit einem 4×4 gemacht, unser Camper hasst Berge, wenn er sie nur sieht . Wir sind diesmal die N-ll ueber Perthus ganz harmlos rueber nach Spanien . Ist auch landschaftlich schoen und kostenlos, direkt neben der Maut Autoroute !

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