Roadbook – Saint-Jean-de-Luz bis Cap Ferret

Andreas
Saint-Jean-de-Luz

Wir kamen von Espelette über Saint-Jean-de-Luz an den Atlantik. Wir wollten auch hier am westlichsten Punkt beginnen und so fuhren wir nach Hendaye.

Der dortige Stellplatz gehört zur Kategorie „Scheiße, schief und teuer“. Den letzten Stellplatz in dem Wohngebiet überließen wir Anderen. Wir fuhren weiter, zurück Richtung Saint-Jean-de-Luz. Allerdings wussten wir, dass der dortige Stellplatz ebenfalls schon voll war. An der D912 fanden wir einen Platz für die Nacht. Kostenlos und laut, aber wir konnten an der Steilküste laufen und klettern.

D912

An der D912

Scheiße können wir locker toppen
Am nächsten Morgen brachen wir recht früh nach Saint-Jean-de-Luz auf und konnten uns tatsächlich dort den einzigen freien Platz sichern. Leider war der beste Platz, eine Bucht direkt neben der Entsorgung schon belegt. Das war ein Witz!
Wer hat diesen Platz verbrochen und warum kostet der Geld? Eigentlich müsste jedem Benutzer dieses Stellplatzes ein Schmerzensgeld bezahlt werden. Da wäre schon mal die Bahnstrecke direkt hinter dem Stellplatz, nein, sie verläuft da nicht nur, da ist auch ein Bahnhof. Den ganzen Tag plärrt dir der penetrante Lautsprecher jeden Zug dreimal in den Camper und die anfahrenden TGVs hauen dir den Putz von den Wänden. Saint-Jean-de-LuzAber das ist ja längst noch nicht alles, denn vor dem Stellplatz verläuft die vierspurige D810 und gerade in der Nacht überkommt die Vorbeifahrenden der Drang auf die Hupe drücken zu müssen. Ja danke auch. Von der Enge der Plätze auf diesem umfunktionierten PKW-Parkplatz reden wir erst gar nicht. Die Entsorgung aber ist die Krönung, das i-Tüpfelchen der Planungskunst. Du rangierst dir einen Wolf, um in die, in die hinterste Ecke gequetschte Entsorgung zu kommen. Wer Saint-Jean-de-Luz sehen will, muss leiden.
Aber es gibt ja auch Positives, du bist in 5 Minuten in der Stadt und der Platz kostet nur 6 €.

Saint-Jean-de-Luz

Das Städtchen hat uns sehr gefallen und eigentlich wollten wir noch eine Nacht bleiben. Die Aufnahme zur blauen Stunde am Hafen des Ortes waren wegen eines Gewitters buchstäblich ins Wasser gefallen und dies wollten wir am nächsten Abend nachholen, aber nach einer Nacht hatten wir die Schnauze einfach gestrichen voll. Und dabei hätten wir gerne noch eine Schiffstour entlang der Küste gemacht und uns noch einmal ein Eis bei Amorino in der Rue Léon Gambette geholt. Dieses Bio-Eis war einfach der Hammer.
Sehr empfehlernswert ist auch die Conserverie la belle-iloise. Hier gibt es eine riesige Auswahl fantastischer Fischkonserven in wunderschönen Dosen. Die Fabrik dieses Familienunternehmens kann übrigens in Quiberon besucht werden. Weitere Filialen sind entlang der gesamten Küste, in Paris, Lyon und Strasbourg zu finden.

Capbreton

Auch Capbreton gehört zu den Orten, in denen ich in meiner Jugend schon einmal einen Urlaub verbracht hatte. Wir bezogen Stellung auf dem dortigen Stellplatz und warteten auf Sandie und Karsten. Das wir uns bei ihrer Rückkehr aus Teneriffa und Lanzarote am Atlantik wiedersehen wollen, planten wir schon damals in Beaucaire. Nach zwei Tagen war der extreme Spaß schon wieder vorbei, die Zwei hatten Termine in Deutschland.
Im Gegensatz zu Font-Romeu konnte ich in Capbreton mehr wiedererkennen. Viele der alten Gebäude und der Charme solcher Orte wurden wegsaniert und sind einer seelenlosen Tourismus-Architektur zum Opfer gefallen. Der Spielsalon, in dem ich damals eine Menge Francs für Space-Invader versenkt habe, existiert auch nicht mehr.

Messanges

Der kleine Stellplatz in Messanges-Plage ist kostenlos und 500 m vom Strand entfernt. Die vielen Surfer und Wagenbewohner machen den Platz recht angenehm, zudem ergatterten wir uns einen Eckplatz und unsere Nachbarn waren Wagenbewohner aus Frankreich in einem 608er. Sieben Tage blieben wir in Messanges und verbrachten die Tage mit Wandern und Biken. Wir mussten uns nur etwa 200 m vom Strandzugangspunkt entfernen und waren allein, in den endlosen Wäldern trafen wir nie einen Menschen. Selbst am Sonntag funktionierte dies.

Gastes

Irgendwann mussten wir ja mal weiter, denn eigentlich hätten wir in Messanges nur 48 Stunden bleiben dürfen, aber der Gendamerie ist dies in der Vorsaison egal. Keiner der Langzeitbewohner dieses Platzes wurde aufgefordert zu fahren.

Unser nächstes Etappenziel war der Stellplatz in Gastes am Étang de Biscarrosse et de Parentis. In der Vorsaison kostet der Platz 4,50. Dafür gibt es viel Platz auf Rasen, Entsorgung, Wasser und Baguettes um die Ecke. Aus zwei wurden drei Tage, weil wir bei strömenden Regen keinen Sinn darin sahen zu unserem nächsten Ziel zu fahren.

Dune du Pilat

Noch mit den letzten Schauern machten wir uns auf den Weg zur Dune du Pilat, der größten Düne Europas. Standesgemäß nahmen wir auch nicht die Treppe auf die Düne, sondern kämpften uns abseits im Sand nach oben. Man muss dieses Wunder der Natur einfach gesehen haben, die Weite und die steilen Hänge zum Wald sind sehr beeindruckend.

Cap Ferret

Nach dem Besuch der Düne sind wir Richtung Taussat gefahren. Zu diesem Stellplatz fand ich mal eine Empfehlung in einem anderen Blog, aber das versprochene Freisteh-Feeling mit Hippies fanden wir dort nicht. Dieser Platz entpuppte sich als ein komplett mit Weißware überfüllter Parkplatz am Ende einer Straße. Dagegen ist Käfighaltung ein Leben in der Villa.

Wir fuhren weiter Richtung Cap Ferret und fanden einen Parkplatz im Wald. Von dort sind es 800 m zum Atlantik und etwa 800 m zum Becken von Arcachon. Wir haben es gestern ausprobiert, sind erst zum Meer und dann zum Becken von Arcachon, aber irgendwie haben wir eine 8 km lange Wanderung daraus gemacht.

Mal sehen wie es jetzt weitergeht. Uns reizt erst einmal das Departement Gers, eine der am wenigsten besiedelten Gegenden Westeuropas und oft als die Toskana Frankreichs bezeichnet.

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6 Kommentare zu “Roadbook – Saint-Jean-de-Luz bis Cap Ferret”

  1. Sylvia

    Immer wieder lesen wir von den Wohnmobilisten die permanet im Wohnmobil leben, abwertende Bemerkungen über die Weißware und Ihre Besitzer. Sind Sie die besseren Wohnmobilisten? Vielleicht weil Sie ein uraltes Auto fahren, dass viel Sprit verbraucht und umweltschädlich durch die Lande fährt. Welche Plakette gibt es für solche Autos? Weil Sie Freisteher sind und somit die Landschaft verschönern?
    Na ja, man kann darüber mal nachdenken.

    1. Andreas Reufenheuser

      Hallo Sylvia,

      leider muss ich sie ihrer Illusion berauben, das ein modernes Auto unserem uralten Auto überlegen ist.

      1. Neue Dieselmotoren
      Dazu zitiere ich einfach mal das Forschungsergebnis der Max-Planck-Gesellschaft und des Institutes für Neurobiologie and Molekulare Medizinder aus der Welt

      Die Forscher der Max-Planck-Gesellschaft und vom Institut für Neurobiologie and Molekulare Medizin in Rom haben jetzt erstmals belegt, dass Rußpartikel von Dieselmotoren, die der EuroIV-Abgasnorm genügen, schädlicher sind als die dicken schwarzen Wolken aus dem Auspuff eines älteren Motorentyps.

      Gesundheitsschädlicher sind die fünf bis 20 Nanometer großen Partikel demnach nicht nur, weil sie tiefer in die Lunge eindringen, sondern auch weil ihre Oberfläche reaktiver ist und Zellmembranen daher leichter angreifen. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Partikel eines modernen Nutzfahrzeugmotors, der die EuroIV-Norm erfüllt, ein enormes Entzündungspotential besitzen und giftiger sind als die Teilchen alter Motoren. So haben sie in Tests an Zellkulturen auch festgestellt, dass Rußpartikel aus dem EuroIV-Dieselmotor signifikant mehr Makrophagenzellen aus menschlichen peripheren Blutmonozyten – dem ersten Bollwerk des Immunsystems – töten als Rußpartikel älterer Motoren.

      „Wir haben erstmals gezeigt, dass der Ruß von EuroIV-Dieselmotoren schädlicher ist als der älterer Fahrzeuge und können auch erklären, warum“, sagt Robert Schlögl, Direktor am Fritz-Haber-Institut.

      Dazu wissen wir doch spätestens seit dem Dieselskandal, dass eine Plakette rein gar nichts bedeutet.

      2. Dieselverbrauch
      Unser Mercedes verbraucht 13 – 15 Liter auf 100 Kilometer, wir sind allerdings auch 6,8 to schwer, also gar nicht so viel

      3. Wir haben unseren Wagen gebraucht gekauft, das bedeutet, dass wir Ressourcen weiterverwenden. Wer ein neues Wohnmobil kauft, darf ja nicht vergessen, das er mit einem dicken Minus in seiner Umweltbilanz anfängt. Die Produktion eines PKWs verursacht schon etwa 10 Tonnen CO2. Dazu kommt der Verbrauch von Ressourcen, wie Erdöl, Wasser, seltenen Erden (für die Fahrzeugelektronik), Aluminium und noch viele Weitere.

      Abgesehen davon, wundert es mich doch sehr, dass sie sich von der besagten Formulierungen angegriffen fühlen, da sie im Zusammenhang des Kontextes einfach nur besagte, dass an diesem Platz keine Wagenbewohner zu finden waren, sondern nur Wohnmobile von der Stange, aufgereiht mit einem Abstand von weniger als einem Meter, also die Tür ging gerade mal noch auf.

      Und ja, wir verschönern die Landschaft, weil wir meistens den Dreck anderer aufräumen und mitnehmen.

      Viele Grüße
      Andreas

  2. Robert

    Hallo Andreas,

    mit dem Welt-Artikel wird nur erklärt, dass im Rußpartikelvergleich eines der alten Sorte weniger gesundheitsschädlich ist als eines der neuen. Daraus abzuleiten, dass die Abgase alter Dieselmotoren insgesamt weniger umwelt- und gesundheitsschädlich wären als die neuerer, kann nicht Dein Ernst sein.

    Erstens hängt die Schädlichkeit nicht nur von der „Giftigkeit“ des Einzelteilchens sondern auch von deren Anzahl ab, zweitens stoßen Dieselmotoren neben Ruß auch NOx, COx und „wer weiß was noch“ aus. Darüber wird gar keine Aussage getroffen.

    Möglicherweise sind die alten Karren ja „gesünder“ als die neuen. Dann aber bitte sauber argumentieren. Selbst mit Wasser kann man sich „vergiften“. Wenn man nur genügend viel davon trinkt…

    Gruß Robert

    1. Andreas Reufenheuser

      Hallo Robert,

      natürlich nicht, steht auch so in meiner Antwort nicht drin. Es sollte wohl jedem klar, dass kein Verbrennungsmotor „gesund“ ist.
      Ich wollte mit dem Zitat nur aufzeigen, dass der Denkansatz „alt = schlecht“ einen Haken hat.

      Gruß
      Andreas

      1. Reinhold Ellsäßer

        Ich kann dieser Diskussion beim besten Willen nicht folgen.
        – Nachweislich erzeugt ein Benziner mehr umweltbelastende Abgase als ein Diesel.
        – Warum ist ein alter Langhuber-Diesel schlechter für die Umwelt, als ein mit deutlich mehr PS. ausgestatteter Turbodiesel.
        – Weshalb wird ein Camper, der ein selbst-restauriertes Fahrzeug fährt schlechter angesehen, als ein Camper der sich mit moderner Technik und Luxus vom Grundgedanken des Campens deutlich (bewusst oder unbewusst) absetzt .
        Die wahren Dreckschleudern finden wir in der Luft, zu Wasser und leider noch in der Industrie. Gleichsam auf der Straße, bei Menschen, welche mit PS- Gewalt auf der AB, ihr Statussymbol demonstrieren.
        Was ein alter Dieselmotor an Treibstoff an einem Tag frisst, wird von vorgenannten bereits beim Start gefrühstückt.
        Ich bewundere Menschen, welche ihr Schicksal in die eigene Hände nehmen, der modernen Lebensweise von Konsum, Überfluss eine Absage erteilen, dabei das eigene ICH erkennen und ihren eigenen Weg zum Leben finden.
        Meine große Hochachtung vor solchen Menschen.
        Reinhold

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