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Warum wir vieles selber kochen oder verzichten

Selber kochen

Das Essen ist ein wichtiger, ein existentieller Bestandteil im Leben der Menschen. Da ich so wie so Zeit dafür aufwenden muss, sollte ich vielleicht besser selber kochen und eine Leidenschaft daraus machen.

Du kannst doch fast alles fertig kaufen oder den Aufwand mit einem der vielen Helfer aus der Tüte minimieren. Also warum in Teufels Namen sollst du selber kochen und das auch noch ohne Hilfsmittel? Das macht doch nur Arbeit!
Sorry, das war der Typ von der linken Schulter, der hat hier nichts zu melden.

Das gehört da eigentlich nicht rein

Vieles von dem, was die Lebensmittelindustrie in ihre Produkte packt, wollen wir aber nicht auf unserem Teller haben. Es wird zu viel getrickst, um die Gewinnmarge mit billigen Zutaten und Chemie nach oben zu treiben. Der CEO gehört nun mal nicht an den Herd.

Ohne Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Stabilisatoren, Antioxidationsmittel kommen viele Produkte nicht aus. Ich habe mir einfach angewöhnt auf die Zutatenliste zu schauen.

Schauen wir auf die Geschmacksverstärker. Auf vielen Packungen steht mittlerweile, dass keine Geschmacksverstärker verwendet werden. Aber in den Angaben zu den Zutaten finde ich dann Hefeextrakt. Jetzt ist Hefe nichts Schlimmes, aber dem Kunden erzählen zu wollen, dass das Produkt keine Geschmacksverstärker enthält ist eine vom Gesetzgeber erlaubte Unwahrheit, bzw. eine Haarspalterei. Durch die Extraktion der Hefe entsteht die Aminosäure Glutaminsäure und nur weil diese Säure natürlich ist, kann ich doch nicht behaupten, dass der Geschmack meines Produktes nicht verstärkt wird. Das ist bullshit und unehrlich.

Dann wäre da der Zucker. Wir haben kein Problem mit Zucker aber wir haben etwas dagegen, dass uns die Lebensmittelindustrie den Zucker in fast alles streut, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Das nächste Problem sind die Fette. Fett ist ein Geschmacksträger und billig. Wir achten beim kochen nicht auf Kalorien, aber ich verwende Olivenöl und Butter und koche nicht mit Transfettsäuren.

Ist es nicht ein wenig erschreckend, dass Menschen, die auf diese neuen aufgeblasenen Apfelsorten allergisch reagieren, mit alten Apfelsorten keine Probleme haben?

Wenn du mehr über die Tricks der Lebensmittelindustrie wissen möchtest und dabei auch noch gut unterhalten werden möchtest, dann schau dir mal die gleichnamigen Sendungen mit Sebastian Lege in der Mediathek des ZDF an.

Schon 1976 hatte Louis de Funès den richtigen Riecher, denn mit dem Film Brust oder Keule lag er gar nicht so falsch.

Selber kochen macht Freude

Kochen ist für mich Spaß, manchmal auch eine Art von Meditation. Das Schneiden von Zwiebeln und Gemüse beruhigt mich und kommt in Kombination mit Musik noch viel besser. Jean Michael Jarre, Air oder Paul Kalkbrenner und ein Haufen Gemüse, dass hat schon was.

Andere malen oder machen Musik, ich koche. Synthies passen ja leider nicht ins Wohnmobil. Obwohl, der Roland JD Xi wäre klein genug, aber ich schweife ab, wir waren ja beim selber kochen.
Wenn mir mal wirklich die Lust fehlen sollte, dann koche ich ein schnelles, einfaches Gericht in etwas über zehn Minuten oder Claudia übernimmt mal.

Kochen langweilt mich nie, weil ich viele meiner Gerichte immer wieder variiere. Manchmal erfinde ich sie auch komplett neu. Ich koche nur noch selten nach Rezept, aber ich orientiere mich gerne an Rezepten.

Am liebsten bereite ich Gerichte mit wenigen und gängigen Zutaten ohne unnötiges Chichi zu. Ein Rezept, dessen Zutatenliste mehr als eine DIN A5 Seite beansprucht ist mir suspekt. Wenn dann noch in meinen Schränken Dinge vor sich hin gammeln werden, weil ich sie nie wieder brauche, ist das Rezept raus.

Kommt uns nicht mehr auf den Tisch

Das Leben ist zu kurz für beschissenes Essen.

Das war nicht immer so. Früher habe ich auch fix aus der Tüte gekocht. Und aus diesen Tüten rieselte Chili con Carne, Bolognese, Gulasch und was weiß ich nicht noch alles. Dazu ein Salat mit der Krönung, dabei ist für ein gutes Salatdressing nicht viel nötig.

Oder Fischstäbchen. Schon mal so ein Stäbchen auseinander genommen? Da ist oft nicht viel Fisch zwischen der zu dicken Panade.

Wir verzichten fast gänzlich auf zubereitete Wurstwaren, nur Schinken und Salamis kommen auf den Tisch. Bei französischen Pasteten können wir uns an diese Regeln allerdings nicht mehr erinnern.

Für mich hat das noch einen gewichtigen Vorteil, meinen letzten Schokoriegel hatte ich vor Monaten und bei vielen „Erfindungen“ der Lebensmittelindustrie stelle ich erleichtert fest, das mein Leben auch ohne bisher ganz gut gelaufen ist.

Aber sei gewarnt, wenn du anfängst vieles selber zu machen, wirst du zum einen erst einmal einige Zeit brauchen konditionierte Geschmackserlebnisse los zu werden. Zum anderen sieht selbstgemachtes Essen anders aus. Nichts gegen rote Beete, aber ich brauche keine rote Beete in meinem Erdbeer-Joghurt, damit der Joghurt aussieht wie eine stylische Wandfarbe aus dem Baumarkt.

Ich will nicht verschweigen, dass dir nach einiger Zeit unter Umständen viele industriell gefertigte Produkte einfach nicht mehr schmecken. Shit happens, willkommen in der Wirklichkeit. Mir schmeckt der Whopper nicht mehr.

Ausstattung

Wenn du selber kochen willst, ist wie bei so vielem, du brauchst keine teure Ausstattung um anzufangen. Du brauchst nicht einmal später eine teure Ausstattung. Investiere dein Geld statt in einen Thermomix lieber in bessere Lebensmittel und in ein oder zwei gute Messer. Wir haben ein elektrisches Gerät, einen Mixer mit einem Pürierstab.

Food-Fotografie

Vegetarischer Burger

Die Food-Fotografie passt zum Thema selber kochen.

Wir haben keinen Platz für eine große Auswahl verschiedenster Holzbrettchen, Teller, Schüsseln und Dekorationsmaterialien. Ich kann meinen Teller nicht mit künstlichen Hilfsmitteln aufhübschen, weil ich das Essen noch genießen möchte. Das Essen sollte auch noch warm sein, also bleibt mir nicht viel Zeit. Ich kann mit den teils aufwendigen Bildkompositionen nicht mithalten.

Die Frage ist doch, ob ich das überhaupt will. Sind diese Bilder die Wirklichkeit? Produzieren sie nicht eine Erwartung in das Aussehen deines nach gekochten Rezeptes, die du gar nicht erfüllen kannst? Diese Bilder sind nicht der Maßstab, sie sind entweder Kunst oder bling-bling für Instagram oder Facebook. Dein Maßstab sollte dein Gaumen sein.

Ich versuche meine Gerichte und Claudias Backwerke möglichst ohne viel Aufwand, aber geschmackvoll zu fotografieren. Jeder, der unsere Rezepte nachkocht, wird das Essen wieder erkennen.

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