Selber kochen
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Warum wir vieles selber kochen oder verzichten

von Andreas

Das Essen ist ein wichtiger, ein existentieller Bestandteil im Leben der Menschen. Da ich so wie so Zeit dafür aufwenden muss, sollte ich vielleicht besser selber kochen und eine Leidenschaft daraus machen.

Du kannst doch fast alles fertig kaufen oder den Aufwand mit einem der vielen Helfer aus der Tüte minimieren. Also warum in Teufels Namen sollst du selber kochen und das auch noch ohne Hilfsmittel? Das macht doch nur Arbeit!
Sorry, das war der Typ von der linken Schulter, der hat hier nichts zu melden.

Das gehört da eigentlich nicht rein

Vieles von dem, was die Lebensmittelindustrie in ihre Produkte packt, wollen wir aber nicht auf unserem Teller haben. Es wird zu viel getrickst, um die Gewinnmarge mit billigen Zutaten und Chemie nach oben zu treiben. Der CEO gehört nun mal nicht an den Herd.

Ohne Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Stabilisatoren, Antioxidationsmittel kommen viele Produkte nicht aus. Ich habe mir einfach angewöhnt auf die Zutatenliste zu schauen.

Schauen wir auf die Geschmacksverstärker. Auf vielen Packungen steht mittlerweile, dass keine Geschmacksverstärker verwendet werden. Aber in den Angaben zu den Zutaten finde ich dann Hefeextrakt. Jetzt ist Hefe nichts Schlimmes, aber dem Kunden erzählen zu wollen, dass das Produkt keine Geschmacksverstärker enthält ist eine vom Gesetzgeber erlaubte Unwahrheit, bzw. eine Haarspalterei. Durch die Extraktion der Hefe entsteht die Aminosäure Glutaminsäure und nur weil diese Säure natürlich ist, kann ich doch nicht behaupten, dass der Geschmack meines Produktes nicht verstärkt wird. Das ist bullshit und unehrlich.

Dann wäre da der Zucker. Wir haben kein Problem mit Zucker aber wir haben etwas dagegen, dass uns die Lebensmittelindustrie den Zucker in fast alles streut, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Das nächste Problem sind die Fette. Fett ist ein Geschmacksträger und billig. Wir achten beim kochen nicht auf Kalorien, aber ich verwende Olivenöl und Butter und koche nicht mit Transfettsäuren.

Ist es nicht ein wenig erschreckend, dass Menschen, die auf diese neuen aufgeblasenen Apfelsorten allergisch reagieren, mit alten Apfelsorten keine Probleme haben?

Wenn du mehr über die Tricks der Lebensmittelindustrie wissen möchtest und dabei auch noch gut unterhalten werden möchtest, dann schau dir mal die gleichnamigen Sendungen mit Sebastian Lege in der Mediathek des ZDF an.

Schon 1976 hatte Louis de Funès den richtigen Riecher, denn mit dem Film Brust oder Keule lag er gar nicht so falsch.

Selber kochen macht Freude

Kochen ist für mich Spaß, manchmal auch eine Art von Meditation. Das Schneiden von Zwiebeln und Gemüse beruhigt mich und kommt in Kombination mit Musik noch viel besser. Jean Michael Jarre, Air oder Paul Kalkbrenner und ein Haufen Gemüse, dass hat schon was.

Andere malen oder machen Musik, ich koche. Synthies passen ja leider nicht ins Wohnmobil. Obwohl, der Roland JD Xi wäre klein genug, aber ich schweife ab, wir waren ja beim selber kochen.
Wenn mir mal wirklich die Lust fehlen sollte, dann koche ich ein schnelles, einfaches Gericht in etwas über zehn Minuten oder Claudia übernimmt mal.

Kochen langweilt mich nie, weil ich viele meiner Gerichte immer wieder variiere. Manchmal erfinde ich sie auch komplett neu. Ich koche nur noch selten nach Rezept, aber ich orientiere mich gerne an Rezepten.

Am liebsten bereite ich Gerichte mit wenigen und gängigen Zutaten ohne unnötiges Chichi zu. Ein Rezept, dessen Zutatenliste mehr als eine DIN A5 Seite beansprucht ist mir suspekt. Wenn dann noch in meinen Schränken Dinge vor sich hin gammeln werden, weil ich sie nie wieder brauche, ist das Rezept raus.

Kommt uns nicht mehr auf den Tisch

Das Leben ist zu kurz für beschissenes Essen.

Das war nicht immer so. Früher habe ich auch fix aus der Tüte gekocht. Und aus diesen Tüten rieselte Chili con Carne, Bolognese, Gulasch und was weiß ich nicht noch alles. Dazu ein Salat mit der Krönung, dabei ist für ein gutes Salatdressing nicht viel nötig.

Oder Fischstäbchen. Schon mal so ein Stäbchen auseinander genommen? Da ist oft nicht viel Fisch zwischen der zu dicken Panade.

Wir verzichten fast gänzlich auf zubereitete Wurstwaren, nur Schinken und Salamis kommen auf den Tisch. Bei französischen Pasteten können wir uns an diese Regeln allerdings nicht mehr erinnern.

Für mich hat das noch einen gewichtigen Vorteil, meinen letzten Schokoriegel hatte ich vor Monaten und bei vielen „Erfindungen“ der Lebensmittelindustrie stelle ich erleichtert fest, das mein Leben auch ohne bisher ganz gut gelaufen ist.

Aber sei gewarnt, wenn du anfängst vieles selber zu machen, wirst du zum einen erst einmal einige Zeit brauchen konditionierte Geschmackserlebnisse los zu werden. Zum anderen sieht selbstgemachtes Essen anders aus. Nichts gegen rote Beete, aber ich brauche keine rote Beete in meinem Erdbeer-Joghurt, damit der Joghurt aussieht wie eine stylische Wandfarbe aus dem Baumarkt.

Ich will nicht verschweigen, dass dir nach einiger Zeit unter Umständen viele industriell gefertigte Produkte einfach nicht mehr schmecken. Shit happens, willkommen in der Wirklichkeit. Mir schmeckt der Whopper nicht mehr.

Ausstattung

Wenn du selber kochen willst, ist wie bei so vielem, du brauchst keine teure Ausstattung um anzufangen. Du brauchst nicht einmal später eine teure Ausstattung. Investiere dein Geld statt in einen Thermomix lieber in bessere Lebensmittel und in ein oder zwei gute Messer. Wir haben ein elektrisches Gerät, einen Mixer mit einem Pürierstab.

Food-Fotografie

Vegetarischer Burger

Die Food-Fotografie passt zum Thema selber kochen.

Wir haben keinen Platz für eine große Auswahl verschiedenster Holzbrettchen, Teller, Schüsseln und Dekorationsmaterialien. Ich kann meinen Teller nicht mit künstlichen Hilfsmitteln aufhübschen, weil ich das Essen noch genießen möchte. Das Essen sollte auch noch warm sein, also bleibt mir nicht viel Zeit. Ich kann mit den teils aufwendigen Bildkompositionen nicht mithalten.

Die Frage ist doch, ob ich das überhaupt will. Sind diese Bilder die Wirklichkeit? Produzieren sie nicht eine Erwartung in das Aussehen deines nach gekochten Rezeptes, die du gar nicht erfüllen kannst? Diese Bilder sind nicht der Maßstab, sie sind entweder Kunst oder bling-bling für Instagram oder Facebook. Dein Maßstab sollte dein Gaumen sein.

Ich versuche meine Gerichte und Claudias Backwerke möglichst ohne viel Aufwand, aber geschmackvoll zu fotografieren. Jeder, der unsere Rezepte nachkocht, wird das Essen wieder erkennen.

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7 Kommentare zu “Warum wir vieles selber kochen oder verzichten”

  1. Michael

    Wie wahr, wenn man selber und mit natürlichen Zutaten kocht, schmeckt das industriell gefertigte Essen plötzlich nicht mehr – mitunter schmeckt nicht mal mehr das Essen in manchem Restaurant.

  2. Michael

    Hi Andreas,

    genau so sehe ich das auch! Wir werden ungefragt und „gezwungener Maßen“ mit Konservierungsstoffen, Zucker, Transfetten, nicht mehr auszuschließenden, gentechnischen Verunreinigungen und sonstigen unsinnigen „Zutaten“ vollgestopft.
    Die Lebensmittelindustrie macht damit dicke Geschäfte und kümmert sich in keinster Weise um die Menschen (bzw. deren Gesundheit), sondern ist nur am Profit und der Gewinnoptimierung interessiert.
    Außerdem kommt noch dazu, das sie (genau wie z. B. die Pharmaindustrie) den Menschen als Versuchskaninchen missbrauchen: Wir stopfen mal was rein und schauen, ob es gut geht….

    Aber selbst bei Bio-, oder naturbelassenen Produkten ist man sich nicht mehr 100% sicher, ob das nicht eine Verunreinigung vom Testfeld der Gentechnik „nebenan“ hat, oder aber das Tierfutter nicht mit Fremdstoffen verunreinigt ist!?

    Der Weg zu frischen und auf den Wochenmärkten gekauften Produkten ist aber richtig und wichtig!
    Zum einen minimiert man die Zufuhr von „Fremdstoffen“ und zum Anderen unterstützt man die regionalen Anbieter und evtl. ergibt sich da ein Umdenken „auch“ in der Lebensmittelindustrie (ganz zu schweigen von der allgemeinen Verknappung der Ressourcen)!

    …und zu deinen Bildern: die meisten der „aufgehübschten“ Gerichte in irgendwelchen Fachmagazinen sind, nachdem sie so „lackiert“ wurden eh nicht mehr genießbar!
    Da sind mir deine realen Bilder ohne optische Aufbesserungen schon lieber 😀

    Auch wenn es sich negativ liest, ist mein Text doch positiv gemeint! 😉

  3. Marco

    Hallo Claudia, hallo Andreas…

    Ja, ihr trefft in diesem Artikel damit den Nagel auf den Kopf!

    Ich hatte ja nun auch mein „halbhundertjähriges“ vor ein zwei Jahren und musste mir eingestehen, dass auch ich zu naiv durch mein Leben gewackelt bin und zu sehr daran glaubte in unserem Lande wird schon alles stimmen. Doch Tatsache ist, dass hier gesetzlich alles ermöglicht wird der Industrie Tür und Tor für ihren ganzen Schabernack zu öffnen. Das „verschwinden lassen“ einiger Zutaten aus den Zutatenlisten ist auch solch ein Geniestreich, wie auch die Verharmlosung einiger Zutaten durch Umbenennung oder Umschreibung, alles vom Gesetzgeber erlaubt. Schon weiß man eigentlich wen man dafür auf jeden Fall mit den nackten Sitzbacken auf die heiße Herdplatte drücken müsste.
    Vor etwa fünf Jahren habe ich mir beigebracht wie ich mein Brot und meine Brötchen selbst machen kann und auch diverse Süßkrams vom Kuchen über Torte bis zum Lebkuchen und ich muss sagen, ich hab‘ daran Spaß und weiß was drin ist. Den Geschmack bekomme ich oben drauf dazu.

    So kann ich sagen, nein, ich bin kein Industrieförderer mehr. Mein Gehirn verbietet mir diesen Schmutz in mich zu stopfen.
    Ich sage weniger ist mehr und schau nach Qualität. Aber auch hier nicht blenden lassen…Die Industrie hat da auch schon ihren Dreh dazu, das sieht man in jedem Supermarkt. Es lohnt sich also immer über den kleinen Markt zu gehen und nicht im Supermarkt sich verblenden zu lassen. Schade nur, dass diese riesen Ketten fast alles Kleine kaputt gemacht haben. Hier läuft was falsch…

    Macht also so weiter, bleibt am Herd 😉

    Beste Grüße
    Marco

    1. Andreas

      Hallo Marco,

      Danke und ja, die vielen Zusatzstoffe, die nicht deklariert werden müssen, halte ich auch für ein Problem. Gerade in Brot ist das besonders schlimm.
      Tja, das ist die Folge von viel zu viel Lobbyismus in der Politik. Alleine schon die Zusammensetzung der EFSA (European Food Safety Authority) ist ein Witz. Kaum Verbraucherschützer, zuviel Industrie.
      LG
      Andreas

  4. Detlef Löffelholz

    Bei den einzelnen Punkten haben wir, meine Frau und ich, immer genickt. Wir stimmen in all‘ diesen Punkten zu.
    Und wir verhalten uns auch so. Entweder richtig oder gar nicht.
    Wir planten für nächste Woche unseren Hochzeitstag in einem Lokal hier in der Nähe zu feiern. Auch ohne Ihre Ausführungen haben wir solange diskutiert und im Inet recherchiert, bis uns der Appetit vergangen ist. Wir sparen die Fahrzeit und machen uns selbst etwas Schönes zu Hause und werden das auch genießen.
    Aber auch in anderen Gebieten unterdrückt Business den Verstand. Das vermittelt Professor Harald Lesch auf Youtube. Und wir denken, daß er noch zu naiv ist.

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