Slow Travel in Frankreich oder doch Griechenland

Andreas
Frankreich Ballons

Nach drei Tagen und 1200 km sind wir in Frankreich, in der Camargue angekommen. Schneller war es nicht zu schaffen, wenn man mautfrei fährt und vorher noch in den Niederlande einkaufen war. Wobei das Wort „schneller“ bei der Zeit, die uns zur Verfügung steht, schon ein wenig fehl am Platz ist.

Anreise

Am ersten Tag waren wir in fünf Ländern, ein persönlicher Rekord. Los ging es in der Eifel, über die Niederlande, Belgien und Luxemburg nach Frankreich. Bei Nancy verbrachten wir die Nacht.
Der zweite Reisetag brachte uns bis Roussillon. 50 km vor Valence, dem Tor zum Süden waren meine Akkus leer. Die schnelle mautfreie Umgehung Lyons auf der Autobahn entpuppte sich als lahme Stehparty.
Am dritten Reisetag durften wir eine südfranzösische Besonderheit erleben, den Mistral. Dieser eisige Wind, von dem man erzählt, das er die Menschen irre macht. So irre, wie den Fahrer des Abschleppwagens, der uns überholte und dann bemerkte, das die nur noch spärlich vorhandene Überholspur in keinem guten Verhältnis zur Länge seines Überholvorgangs stand. Sein zu frühes Einscheren konnte ich nur mit einem beherzten Schlenker zur Leitplanke kontern. Dem Fahrer war es sichtlich peinlich, die Entschuldigung kam prompt und überschwenglich.

Geisterstadt

Aber nun sind wir endlich im Süden, Sonnenschein und etwas über 15 °C. Unser Ziel Saintes-Maries-de-la-Mer zeigt sich im Gegensatz zum Juni von einer ganz anderen Seite. Es ist eine Geisterstadt mit Weihnachtsbeleuchtung. Die meisten Restaurants und Geschäfte sind geschlossen und die Schaufenster ausgeräumt. Wir waren bei unserem abendlichen Spaziergang durch den Ort fast alleine. Jeden Moment, erwarteten wir, dass einer jener Tumbleweeds aus den Westernfilmen über den Asphalt rollt.
Frankreich Saintes-Maries-de-la-Mer

Wir erholen uns nun von der langen Fahrt in der Camargue. Der Winter ist hier grüner und das Licht schöner. Gestern fuhren wir viele Kilometer ohne auch nur einem Auto zu begegnen. Wie Saintes-Maries-de-la-Mer ist auch die Camargue im Winterschlaf. Rauch zieht über die brennenden, abgeernteten Reisfelder. Zwar sind auch hier Wohnmobile unterwegs, aber es sind nicht die Massen, die uns davon abhalten nach Portugal zu fahren.
Reisfelder in der CamargueWann es weitergeht und vor allem wie, wissen wir noch nicht.
Ich habe noch nicht den Schalter gefunden, der mich entschleunigt. Im Moment bin ich mit der zur Verfügung stehenden Zeit etwas überfordert und ich habe noch nicht meinen Reise-Modus gefunden.
Wir fahren an soviel sehenswerten Orten und Landschaften vorbei, wir könnten ständig anhalten. Allein nur die Schrottplätze entlang der N7 sind eine Augenweide, hier steht die automobile Geschichte Frankreichs.

Weiter oder Roadtrip durch Frankreich?

TalbotUnser Plan, unser Ziel ist Griechenland, aber ich ertappe mich im Moment bei dem Gedanken einfach Frankreich richtig kennen lernen zu wollen. Nach Griechenland sind es noch einmal gut 2400 km, also mit Rückweg gut 5000 km. 5000 km in Frankreich, ein Traum, eine verlockende Alternative, es gibt noch so viel in diesem Land, dass wir noch nicht kennen.

Auf der anderen Seite lockt Griechenland, aber dazwischen liegt Italien, sollen wir dieses wunderschöne Land einfach nur durchqueren?
Deshalb halten wir einen Moment inne, sortieren unsere Gedanken, kommen zur Ruhe und werden dann das tun, das uns gut tut.

Dazu kommt noch, das ich nicht nur über Etappen, Stellplätze und Sehenswürdigkeiten schreiben möchte. Wir wollen nicht eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abhaken. Wir wollen Menschen treffen, über Erlebnisse berichten und Geschichten schreiben.

Dies ist erst der Anfang unserer Reise, wir werden unseren Weg finden.

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24 Kommentare zu “Slow Travel in Frankreich oder doch Griechenland”

  1. henning

    Hallo,

    drei Tage, 1200km, da seid ihr aber gerast…
    Ich hab drei Wochen gebraucht, aber stimmt schon, Portugal ist voll. Sind aber alle hier, die man so kennt. Ich werde das mal testen, wo es sich besser überwintert. Von der Belegung her ist in Italien um dises Zeit deutlich mehr Platz, es können aber auch da Tumbleweeds über die Straßen wehen…
    Wer aber den ganzen Stiefel noch abklappern will, kommt sicher nicht vor Mai nach Griechenland.

    Gruß
    Henning

    1. Andreas

      Wir wollten unbedingt ans Meer, also erst einmal Kilometer machen.

      Heute stehen auf dem kostenlosen Stellplatz von Salin-de-Giraud. Hier ist Platz für 35 Wohnmobile. Hier steht nur noch ein weiteres Wohnmobil aus England, das war es.

      Gruß
      Andreas

  2. Gabi & Vasco

    Hey,

    was hält euch davon ab in Frankreich zu bleiben? Zumindest vorerst.
    Es gibt viele tolle Ecken und das Wetter ist, ganz im Süden, auch nicht so scheiße wie bei uns.
    Ihr seit schließlich auf Reisen und nicht auf der Flucht, oder?

    Grüße

    Gabi & Vasco

  3. Aubele

    Ich möchte gerne mehr wissen über mobiles Internet, fest installiert.
    Was für Voraussetzungen sind Voraussetzung für einen guten Empfeng?
    Wer hilft mir beim einloggen?
    Ich bin relativ unerfahren in Sachen verbinden, einloggen, etc…

    Gruß
    Alfons

  4. Heike Schöps

    Auch wir planen nach Saintes Maries de la mer zu fahren. Noch steht nicht fest, ob vorher noch ein Abstecher nach Spanien drin ist. Die Wetterkarten werden wir genau studieren. Start in Oberaudorf am 18. Oder 19.12.
    Ein Besuch beim Junior muss eben sein. Rückkehr 5.1.17 in Frankfurt. Wieviel Kilometer für diese Zeit mit soundso Budget?
    Ihr kennt das sicher!
    Gute Fahrt!
    P.S. kennt ihr die Finca Caravana in Yelca?

  5. Ina

    Hallo ihr zwei

    auf die richtige Eingebung warten, kenne ich auch. Bei mir kommt sie immer, früher oder später und meistens war es gut. Stehe gerade in Fortuna auf dem CP, Wäsche musste gewaschen werden. Hat noch Plätze frei. Freue mich auf das heisse Bad morgen und bin vor dem ewigen Regen an der Küste geflüchtet. War viel in den bergen, viel gesehen, erlebt. Bisher. Nur toll!

    1. Claudia

      Hallo Ina,
      genau so werden wir es auch machen 🙂 Wir geniessen jetzt erst mal die Sonne und lassen uns treiben. Dir noch ganz viel Spaß!
      Liebe Grüsse,
      Claudia

  6. JürgenD

    Seid ihr von Salin-de-Giraud aus auch mal an den Plage de Piemanson gefahren? Es soll dort 2016 ein Großparkplatz entstanden sein. Der Strand, auf dem im Sommer Tausende wild standen, ist Ende 2015 gesperrt worden. Es würde mich interessieren, wie es dort nun aussieht.
    LG
    Jürgen

    1. Andreas Reufenheuser

      Hallo Jürgen,

      Rate mal wo wir gerade stehen, genau da. Hier hat sich nichts verändert gegenüber Mai 2016, unserem letzten Besuch. Kein Großparkplatz. Im Moment stehen wir hier zu dritt.

      Gruß
      Andreas

  7. peter koch

    Hallo ihr zwei, schöne Reise….

    Wenn ihr euch nicht wie Störenfriede in einer wenig freundlichen Umgebung vorkommen wollt, solltet ihr vielleicht nicht unbedingt an die Cote d’Azur fahren. Auch im Winter ist man dort wenig erfreut auf die Zureise von/mit Wohnmobilen, einzig die wenigen Campingplätze in Strandnähe freuen sich bei hohen Gebühren auf euch – das ist meine jahrelange Erfahrung.

    Gerne fahre ich aber ins Languedoc-Roussillion, da fühle ich mich wohl, dort bin ich zuhause! immer nah zum Meer, schöne Berge, feines Hinterland, tolle Städte mit Sehenswürdigkeiten – was will man mehr? Ach ja, Meer gibts da auch, und man kann bis ran fahren, wenn man will. Man kann auch immer Winter Flamingos treffen, wenn man sie sucht (hattet ihr keine dort unten in der Camarque?) Aber auch die Berge sind schön, mit kleinen Dörfern und tollen Ausblicken, sehr schön sind die Montagne Noir und die Corbieren – aber egal, fahrt, wohin ihr wollt und wann ihr wollt, zu zweit ist es überall schön!!!

    Gruß Pedda aus Dortmund, Glückauf, Gesundheit und Gute Reise!

    1. Andreas Reufenheuser

      Hi,

      Flamingos sind in der Camargue auch im Winter reichlich anzutreffen.

      Da der Roadtrip durch Frankreich nun beschlossene Sache ist, werden wir die Cote d’Azur nicht aussparen. Danach geht es aber ins Languedoc. Die Hermans haben einige Stellplatztipps für uns parat. Die haben den letzten Sommer ohne Probleme nur freistehend an der Cote d’Azur verbracht.

      Gruß
      Andreas

      1. peter koch

        Habe ich mit großem Interesse gelesen, was die Hermanns da im Hinterland der Cote d’Azur erlebt haben.Hinterland ist gut, war auch sehr schön dokumentiert und bebildert, hatte mir gut gefallen. Wenn ihr das genau so oder ähnlich vorhabt, dann machen! Ich dachte bei der ersten Idee, dass ihr unmittelbar an den Strand wollt, da gilt das von mir bereits gesagte,kann aber sein, dass im Winter nicht so streng auf euch geachtet wird, gönnen würde ich es euch!!

        Übrigens, was die Hermänner da gerade im Sandkasten Marokkos treiben, ist auch nicht unflott, gefällt mir sehr gut!

        Euch noch eine gute Reise und schöne Erlebnisse, ich eiere gerade im Saarland und in Rheinland-Pfalz herum. In den Tälern voll nebelig und scheißkalt, auf den Höhen super Sonne. Inversionswetterlage. Cool. Paar Tage noch, und dann erst wieder in die Tretmühle des Hamsterrades. ( Ich zähle rückwärts, Brutto noch 8 Monate…..)

        Macht’s gut und freut euch

        Pedda

        1. Andreas

          Was sind schon 8 Monate, das machst du mit der linken Arschbacke 😉

          Mit der Inversionswetterlage kämpft auch man auch in Teilen von Frankreich. In Paris und anderen orten wurde sogar der Individualverkehr eingeschränkt.

          Gruß
          Andreas

      2. c.

        Hallo, wunderschön, Euch zu folgen..

        Meine Frage: wo kann ich die Liste der kostenlosen Stellplätze an der CdA finden, von der die Rede ist?

        Vielen Dank und Euch noch eine gute Entscheidung ob France oder Greece..

        LG

        c.

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