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Ystad – Ein Kurztrip mit Fähre und Fahrrad

Ystad -Ankunft

Die Lust unterwegs zu sein, Neues zu sehen und zu erleben ist wieder da. Auf Tour sind wir eigentlich schon wieder seit Juli. Wir waren unter anderem mit Freuden zwei Wochen unterwegs im Pfälzer Wald, im Schwarzwald und in den Nordvogesen.

Und wir halten uns nicht ohne Grund im Moment auf der Insel Rügen auf. Neben der Arbeit bleibt noch etwas Zeit, die Insel kennenzulernen. Der Hafen Sassnitz-Mukran bietet allerdings auch zwei interessante Fährverbindungen in die Ferne, nämlich nach Bornholm und nach Ystad in Schweden.

Letztere pausiert wegen der rauen See im Winter vom 1. November bis 31. März.  Auf dieser Verbindung verkehrt der 38.504 PS starke Katamaran „Skane Jet“, der auf dieser 100 km langen Strecke mit bis zu 70 km/h fährt. Während wir in Sassnitz wie VIPs mit unseren Rädern zur Fähre gebracht wurden, erzählte uns der Mitarbeiter interessante Fakten. Unter anderem, warum die Verbindung Pause macht. Ein Katamaran ist aufgrund seines geringeren Gewichtes und der Bauweise viel anfälliger für Wellengang. Ab drei Meter Wellengang soll es sehr unangenehm für die Passagiere werden. Wir haben es erlebt, dazu aber später mehr. Fünf Tage vor der Winterpause sind wir also schnell noch einmal für 44 Stunden nach Schweden. 

Diese Reise haben wir ganz bewusst ohne unser Wohnmobil gemacht, wir hatten Lust nur mit unseren Fahrrädern unterwegs zu sein, auf leichtes Gepäck und mehr Abenteuer. Jeder hatte nur eine 25 Liter Ortlieb Tasche an seinem Rad. Die Taschen waren im Endeffekt nur halb voll, aber wir sollten ja einiges für unseren Sohn aus Schweden mitbringen, der die Hälfte dieses Jahres in Göteborg verbracht hat. 

Preislich macht es keinen großen Unterschied, ob das Wohnmobil nach Schweden verschifft wird oder du ein Hotelzimmer nimmst und essen gehst. Die Skane Jet kann große Wohnmobile transportieren, diese werden zuletzt eingecheckt und müssen rückwärts an Bord fahren.

Die Fähre legt in Ystad an

Die Überfahrt mit der Fähre hatten wir über das Internet gebucht, bezahlt und anschließend die passende App auf dem Smartphone installiert. Und eines müssen wir auf alle Fälle loswerden, das Personal der FRS ist auf deutscher und schwedischer Seite absolut spitze. 

Im Übrigen war die Hin- und Rückfahrt das Einzige, das wir geplant und gebucht hatten. Der Rest sollte eine Fahrt ins Blaue werden.

Und los ging es, der Himmel war grau und der Wind stürmisch, bestes Wetter für eine Rad- und Seereise. Schon kurz nach dem Ablegen in Sassnitz wurden wir in den Innenbereich des Schiffes geschickt und der Außenbereich gesperrt. “Very bad sea” sagte der Mitarbeiter und spätestens als aus dem Bordshop das hässliche Geräusch fallender Flaschen kam und Kotztüten verteilt wurden, war uns klar, dass es nun ungemütlich werden könnte. 

Nichts passierte, es zeigten sich bei uns keinerlei Anzeichen einer Seekrankheit. Wir scheinen also ziemlich seefest zu sein. Während der Horizont vor unserem Fenster tanzte und das Laufen an Bord mindestens zwei Promille entsprach, verbrachten wir die Zeit mit lesen und essen. Die Geschwindigkeit war mit nur etwa 40 km/h den Witterungsverhältnissen angepasst. Mit etwas Verspätung liefen wir in Ystad ein.

Ystad

Vätergränd – wurde auch in den Wallander Filmen verwendet

Nachdem wir die Fähre verlassen hatten, fuhren wir drei Kilometer zu unserer geplanten Unterkunft direkt am Strand der Ostsee. Im Internet wurden freie Zimmer angeboten, vor Ort kamen eher Assoziationen an Bates Motel hoch. Kein Mensch war zu sehen und die Krähen krächzen auf dem Dach. Unter der Telefonnummer, die angerufen werden sollte, wenn niemand vor Ort ist, kam nur eine Ansage in Schwedisch.

Nach einer kurzen Recherche am Smartphone fuhren wir wieder zurück zum Hafen, und checkten im Stationen Bed & Breakfast ein. Das Hotel befindet sich im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Ystad. In den Wallander Krimis diente das Gebäude auch als Außenansicht der Polizeistation. Eine gute Wahl, denn von unserem schönen Zimmer hatten wir einen fantastischen Blick auf den Hafen und bis ins Zentrum von Ystad waren es zu Fuß gerade mal fünf Minuten. Auch sonst war in diesem Hotel alles rund. Es gibt sogar eine kleine Gemeinschaftsküche mit Mikrowelle, Wasserkocher und Kühlschrank.

Der nächste Morgen, die Sonne hat immer noch keine Lust, aber der Wetterbericht versprach Besserung für den Mittag. Nach dem Frühstück schlendern wir ein wenig zu Fuß durch den Hafen und die Stadt und essen den besten Donut unseres Lebens.

Für Claudia fast ein Grund nach Ystad zu ziehen.

Ystad ist eine gemütliche kleine Stadt mit kleinen Gassen und schönen alten Gebäuden. Sie hat nur knapp 19.000 Einwohner, wirkt aber irgendwie größer. Kommissar Wallander ist irgendwie immer präsent und die einst wichtigste Fischerstadt Schwedens ist heute eher das Hollywood Schwedens. Im Ystad Studios Visitor Center findest du außer Wallander auch Szenen aus der Krimiserie „Die Brücke“.

Kåseberga

Am Nachmittag nutzen wir die wenigen Stunden in Schweden auch noch für eine 40 Kilometer Radtour entlang der Küste nach Kåseberga. Dabei fahren wir auf dem 260 Kilometer langen Sydkustleiden.  Diese Radroute führt dich von Simrishamm über Ystad, Trelleborg und Mälmo entlang der Küste Schonens bis nach Helsingborg.

Angekommen in Kåseberga gönnen wir uns ein leckeres Fischgericht bei Kåseberga Fisk. Endlich zeigt sich die versprochene Sonne und in unserer Pause verschwinden alle Wolken. Wir fahren in den Sonnenuntergang zurück nach Ystad. Am nächsten Tag müssen wir leider schon wieder zurück, aber der kurze Trip hat Lust auf mehr Schweden gemacht. Und nachdem ich alle Artikel über Malmö beim Meerblog gelesen habe, würde ich diese Stadt gerne selbst erleben.

Am nächsten Morgen müssen wir um 10:00 einchecken. Eine SMS erinnert uns an den Termin. Bei bestem Wetter fahren wir zum passenden Gate, die gute Beschilderung lässt keine Fragen offen. In Schweden werden die Bikes zusammen mit den Autos abgefertigt und stehen in der gleichen Schlange. Danach bekommen wir aber eine eigene Spur und dürfen zuerst an Bord fahren.

Ystad - Eigene Spur für Bikes
Spur 11

Eine Viertelstunde früher als geplant sticht die Skane Jet in See. Diesmal sind wir mit 62 km/h unterwegs und kommen eine halbe Stunde vor der angekündigten Ankunftszeit in Sassnitz an.

Inselhopping

Die kleine Reise ohne Wohnmobil hat uns richtig Spaß gemacht. Es war gerade bei dem unbeständigen Wetter eine spannende Herausforderung und eine willkommene Gelegenheit die Komfortzone zu verlassen. Im Sommer kann das ja jeder.

Die Fähre nach Rønne auf Bornholm macht keine Winterpause. Diese Überfahrt werden wir als Nächstes in Angriff nehmen, auch diese Tour werden wir nur mit unseren Rädern machen. Wir werden aber etwas mehr Zeit einplanen, nur einen Tag Zeit zu haben, ist uns etwas zu wenig.

Im Übrigen ist es auch im Winter möglich von Sassnitz nach Ystad zu kommen, es ist halt nur ein wenig abenteuerlicher. Von Rønne kommst du mit dem Fahrrad für 10 € in weniger als eineinhalb Stunden nach Ystad. Die Fähre fährt viermal am Tag. Die Überfahrt von Sassnitz nach Rønne kostet dann nochmal 26 €.

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