Batterie im Wohnmobil

AGM, Gel-, Nass-, Bleikristall- und Lithiumbatterie

Die Batterie ist eines der wichtigsten Bauteile in einem Wohnmobil. Wir versuchen etwas Licht in die Welt der Stromversorgung zu bringen

Die Wasserpumpe, die modernen Heizungen, das Licht, die Notebooks und vieles mehr benötigen Strom und wenn das Wohnmobil nicht an der Steckdose hängt, kommt der Strom aus einer Batterie.
In den meisten Wohnmobilen sind zwei verschiedene Batterien verbaut, die normale Starterbatterie für das Fahrzeug und die Versorgungsbatterie für die Wohnmobilelektrik.

Batterie – Die Grundlagen

Ich versuche die Grundlagen so einfach wie möglich zu halten und spare mir komplizierte technische Details.

Batterietypen

Auf dem Markt sind fünf verschiedene Batterietypen erhältlich. Bis auf die Lithium-Akkus handelt es sich bei allen anderen Batterien um Blei-Batterien. Unterschiedlich ist nur die Art der Lagerung des Elektrolytes.

Nassbatterie

Das Elektrolyt ist flüssig
Diese Batterie ist der bekannteste und preiswerteste Typ. In der Regel werden diese Batterien als Starterbatterie in den Fahrzeugen verbaut. Heute kommen fast nur noch wartungsfreie Nassbatterien zum Einsatz. Bei diesen Batterien kann es zu Ausgasungen kommen und es muss dafür gesorgt werden, dass das entstehende Knallgas aus dem Wohnmobil entweichen kann.
Eine normale, preiswerte Starterbatterie ist für die Stromversorgung eher ungeeignet. Es gibt aber Nassbatterien, die aufgrund einer etwas anderen Bauweise zyklenfester und geeigneter sind.

Wenn Du die Ladetechnik in deinem Wohnmobil nicht auf moderne Batterien umrüsten kannst oder willst
Dann ist die Nassbatterie Trojan T105plus eine Alternative. Und in diesem Artikel findest du einen Globetrotter, der diese Batterien in seinem Van verbaut hat. Mit 700 Zyklen bei 80% Entladung steht diese Batterie einer AGM eigentlich in nichts nach.

AGM-Batterie

Das Elektrolyt liegt in einem Glasvlies. Benötigt ein spezielles Ladegerät, dass die Batterie mit der IUoU-Kennlinie lädt.

Gel-Batterie

Das Elektrolyt liegt in einem Gel. Die Batterie mag Wechselrichter nicht wirklich.

Bleikristall

Eine relativ neue Technologie mit sehr hoher Zyklenzahl und einer nutzbaren Kapazität von 90%.

Lithium-Akku

Lithium-Akkus können mit hohen Strömen schnell geladen werden, sind unempfindlich gegen Tiefentladung und haben einen höheren Nutzungsgrad. Die Zyklenzahl wird mit 5000 angegeben. Die Anschaffungskosten sind hoch, aber in Bezug auf die möglichen Zyklenzahl relativieren sich diese Anschaffungskosten.

Auf einen Blick

Nass AGM Gel Bleikristall Lithium
Wartungsfreiheit ++ ++ ++ ++
Zyklen bei 50% Entladung 350 600 750 2900 5000
Toleranz zu Wechselrichtern > 800 Watt + ++ o ++ ++
nutzbare Kapazität (empfohlen) 50% 80% (50%) 70% (50%) 90% 90%
Kosten pro 1 Ah 1,20 € 3,20 € 2,70 € 3,80 € 14,30 €
Kosten pro 1 Ah bereinigt ¹ 1,20 € 3,20 € 2,70 € 1,90 € 7,15 €
Ladestrom 14,4 V 14,6 V 14,4 V 14,7 V 14,5 V
Gewicht 160 Ah 44 kg 47 kg 48 kg 45 kg 33 kg

1) Gerechnet auf die gleiche nutzbare Kapazität, die bei Bleikristall und Lithium 40% höher ist.

Fachbegriffe

In diesem Abschnitt erkläre ich einige Fachbegriffe, die dir immer wieder über den Weg laufen, wenn du dich mit dem Thema Batterien beschäftigst.

Kapazität

Die Kapazität einer Batterie wird mit Ah angegeben. Die Angabe auf der Batterie ist allerdings die Gesamtkapazität. Es ist wichtig zu wissen, welche nutzbare Kapazität zur Verfügung steht. Nachfolgende Beispiele für eine 100 Ah Batterie.

  • Nassbatterien: Entladetiefe 50% -> nutzbare Kapazität. 50 A
  • AGM-Batterien: Entladetiefe 80% -> nutzbare Kapazität 80 A. Besser sind aber auch hier 50%.
  • Gel-Batterien: Entladetiefe 70% -> nutzbare Kapazität. 70 A. Besser sind aber auch hier 50%.
  • Bleikristall: Entladetiefe 90% -> nutzbare Kapazität 90 A
  • Lithium-Akkus: Entladetiefe 90% -> nutzbare Kapazität 90 A
Zyklen und Zyklenfestigkeit

Ein Zyklus ist eine vollständige Be- und Entladung der nutzbaren Kapazität. Die Zyklenfestigkeit bedeutet, dass eine Batterie eine bestimmte Anzahl von Zyklen hat, ohne dabei an Kapazität zu verlieren. Nach Erreichen der genannten Zyklenanzahl ist die Batterie auch nicht defekt, sondern nur weniger leistungsstark.

So schafft die Batterie mehr Zyklen
Je flacher der Zyklus, um so mehr Zyklen sind möglich. Im Datenblatt von Victron zu unserer AGM steht folgendes

  • 400 Zyklen bei 80% Entladung
  • 600 Zyklen bei 50% Entladung
  • 1500 Zyklen bei 30% Entladung

Bulk (Hauptladung)

Diese Bezeichnung steht oft auf den Geräten
Das Ladegerät lädt die Batterie mit einem hohen Strom.

Absorption (Zwischenladephase)

Diese Bezeichnung steht oft auf den Geräten
In dieser Phase liefert das Ladegerät einen konstanten Strom an die Batterie

Float (Erhaltungsladung)

Diese Bezeichnung steht oft auf den Geräten
Das Ladegerät versorgt die Batterie mit einer Spannung, die die Selbstentladung der Batterie verhindert.

Ladeschlussspannung

Diese Spannung darf nicht überschritten werden, da sonst die Batterie beschädigt werden kann.

Ruhespannung

Die Spannung, die eine Batterie einige Stunden nach der letzten Ladung aufweist.

Entladeschlussspannung

Diese Spannung sollte nicht unterschritten werden. Eine Unterschreitung dieser Spannung wird als Tiefentladung bezeichnet.

Elektronikwissen

Parallelschaltung und Reihenschaltung

Ein kleiner und schneller Ausflug in die Welt der Elektronik. Was bedeutet Parallel- oder Reihenschaltung? Für das Schaubild geben wir eine Batteriekapazität von 100 Ah vor.

  • Reihenschaltung
    Vom Minuspol der 1. Batterie geht es zum Pluspol der zweiten Batterie. Das Ergebnis ist doppelte Spannung (24 V) bei gleich gebliebener Kapazität.
  • Parallelschaltung
    Von jeder Batterie gehen die Leitungen parallel zum Verbraucher. Das Ergebnis sind gleiche Spannung (12 V), aber doppelte Kapazität
Batterie - Parallel- und Reihenschaltung

Batterien laden

  • Lichtmaschine
    Hier sollte immer mit einem Ladebooster oder DC-DC-Wandler gearbeitet werden, damit die Batterien während der Fahrt richtig voll geladen werden. Da unser Mercedes zu dem mit 24 V ausgestattet ist, erfolgt die Ladung unserer AGM-Batterien über den DC-DC-Wandler Victron Orion 24/12-70*.
  • Landstrom
    Wenn das Wohnmobil an der Steckdose des Stellplatzes oder Campingplatzes hängt, sorgt das Batterieladegerät* für die richtige Ladung der Batterie.
  • Solaranlage
    Mit Sicherheit die eleganteste Form die Batterien zu laden. Die Solarmodule auf dem Dach des Wohnmobils sorgen in Verbindung mit dem Solarladeregler für die richtige Ladung. Mehr dazu im Artikel „Solaranlage Wohnmobil – Grundlagen und Planung
  • Windkraft
    Hier gibt es interessante kleine Anlagen.
  • Stromgeneratoren
    Und das ist lauteste und bei deinen Nachbarn die unbeliebteste Methode deine Batterien zu laden
  • Brennstoffzelle
    Elegante, aber in der Anschaffung sehr teuere Alternative.

Unsere Empfehlungen

Die Produkte mit roter Überschrift sind bei uns im Einsatz.

Victron AGM 12V/165Ah*

Victron AGM 12V/130Ah*

Victron AGM 12V/90Ah*

Stromversorgung planen und dimensionieren

Bei der Planung der Größe der Batteriekapazität gilt es einiges zu beachten.

  1. Wieviel Batteriekapazität brauche ich täglich?
    Dafür musst du den täglichen Verbrauch berechnen. Mit Hilfe unseren Beitrags „Stromverbrauch berechnen“ kannst du diesen Bedarf berechnen. Diesen Wert multiplizierst du mit 1,7 als Sicherheitspuffer.

  2. Wie lange möchtest du autark sein?
    Den oben ermittelten Wert multiplizierst du mit der Zahl der Tage, die autark verbracht werden sollen.

  3. Wieviel Platz und wieviel Zuladung stehen dir zur Verfügung
    Batterien sind nicht gerade klein und leicht, eine gute 160 Ah Batterie ist fast einen halben Meter lang und bringt rund 47 kg auf die Waage.

  4. Benutzt du einen Wechselrichter und wieviel Watt soll dieser bringen
    AGM-Batterien kommen mit hohen Stromentnahmen, wie zum Beispiel durch Wechselrichter mit großer Last (z. B. Kapselmaschinen), besser zu recht als Gel-Batterien.

Welche Batterie ist die Beste?

Leider ist die Frage nicht zu beantworten, die optimale Wohnmobil-Batterie für jeden gibt es noch nicht.

Wenn du überwiegend auf Stellplätzen mit Stromanschluß und Campingplätzen unterwegs bist, dann reicht eine zyklenfeste Nassbatterie.
Bist du dauerhaft unterwegs, dann wäre die Lithium die erste Wahl, allerdings spricht auch vieles für die neuen Bleikristall-Batterien, die viele Eigenschaften der Lithium-Akkus besitzt. Noch ist die Technologie zu neu, um ein endgültiges Urteil fällen zu können.

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