Leben und arbeiten im Wohnmobil
Blog Vanlife

Ein Jahr leben und arbeiten im Wohnmobil

von Andreas
Es ist soweit. Ein Jahr leben und arbeiten im Wohnmobil. Vor genau zwölf Monaten haben wir die Steinwohnung verlassen. Das Bild des Beitrages ist am Morgen nach der ersten Tour entstanden und steht mittlerweile für uns als Symbol für unser Leben im Wohnmobil, für Freiheit und Abenteuer, jeden Morgen neu.

Meilensteine

  • 15. April 2013: Wohnmobil gekauft
  • 31. Oktober 2013: Einzug
  • 6. Dezember: Fuck the Solardusche, wir haben wieder ein Bad
  • 11. April 2014: Die unendliche Geschichte des Gastanks ist beendet.
  • 15. April 2014: TÜV geschafft und gleich weg
Und heute fällt mir erst auf, das Kauf und Tüv auf das gleiche Datum fallen, kurios.

Leben und arbeiten im Wohnmobil? Wie ist das?

Für uns schon normal, fast nichts besonderes mehr. Es scheint für unsere Mitmenschen aufregender zu sein. Für uns immer noch ein großer Spaß, unseren Mitmenschen zu sagen, das wir in einem Wohnmobil leben. Wir lieben die Fassungslosigkeit, diese Schnappatmung. Leben und arbeiten im Wohnmobil? Wir sehen ihre ersten Gedanken, es ist fast immer der Gleiche ist: Die Armen! Dann folgen die fast immer drei gleichen Reaktionen: „Warum nicht“ oder „Das würde ich auch gerne“ oder „Das könnte ich nicht“. Interessanterweise gehen die ersten Fragen oft in Richtung Behörden und Gesetze. Wir sind schon kurios, wir Deutschen. Erst einmal schauen was der Amtsschimmel wiehert. Nur wenn wir unterwegs sind und mal nachts aufwachen, müssen wir manchmal kurz nachdenken, wo zum Teufel wir eigentlich gerade sind. Und nun folgt der nächste Schritt. Wir verlassen die Basis.

Fehlt uns etwas?

Nein, eigentlich nicht. Wir haben alles und vermissen nicht ein Stück aus dem großen Fundus des Steinhauses. Ich hätte nie gedacht, das uns so gar nichts fehlen wird. Und wir haben noch nicht damit aufgehört weiter zu minimieren. Es zeigt sich erst mit der Zeit, was über viele Monate unbenutzt im Wohnmobil liegt, dann wird es verkauft oder verschenkt. Und nun zum „eigentlich“. Absolut genial wäre es, wenn wir nicht immer das Datenvolumen überwachen müssten. Manchmal einfach hemmungslos durch Youtube streifen und ein Video nach dem Anderen reinziehen oder Webradio hören! Das geht aber nur, wenn wir auf einem Stellplatz mit WLAN stehen. Aber ich bin guter Hoffnung, dass in absehbarer Zeit die Provider zusätzlich zeitgemäße Datenvolumina anbieten. Mich amüsieren Werbesprüche wie „Internetflat mit 500 MB“. Diese „Flat“ saugen wir hin und wieder an einem Tag durch die Leitung, ohne Videos. Ein unterschätztes Phänomen und auch Problem sind dabei die Smartphone und Tablets. Die ständigen, manchmal fast täglichen Updates diverser Apps bringen so manch magersüchtige Flat ins Schwitzen. Aus diesem Grunde haben wir mittlerweile die automatischen Updates abgeschaltet.

Viel gelernt

Das Gute bei der Umsetzung solch wahnwitziger Ideen ist das Erlernen von neuen Fähigkeiten und Dingen. Beim Kauf des Wohnmobils war unser Wissen doch eher theoretischer Natur. Auch hatten wir noch nie ein Wohnmobil repariert oder restauriert. Aber wir haben fast alles umgesetzt und viel Neues gelernt und getan. Holz, Metall- und Kunststoffarbeiten, Lackieren, Polstern und Möbel bauen, Elektrik, Gas und Wasser. Die Liste der handwerklichen Fähigkeiten könnte noch um einiges erweitert werden. Ein besonderer Dank geht an Andre, Petsi und natürlich Bernd. Sie waren uns gute Ratgeber, haben uns viel geholfen und tolle Arbeit abgeliefert. Viel Neues haben wir auch im Bereich Bloggen und Social Media gelernt. Und nun ist sogar das Fernsehen, ein öffentlich-rechtlicher Sender, an unserer Geschichte interessiert. Das sind nun Dimensionen, die uns ein wenig Angst machen. Entschieden haben wir noch nichts.

Wir haben noch nicht mal angefangen!

Und das ist das Beste. Das Abenteuer hat gerade erst angefangen. Wir standen arbeitsbedingt viel auf unserem Stellplatz bei Bernd, diese Zeit wird jetzt zu Ende gehen. Und wieder wird es Winter, wenn wir den nächsten Schritt tun. Als Nächstes wird Claudia ihre Arbeit aufgeben und damit erreicht unsere Mobilität die nächste Stufe, und soviel sei schon einmal verraten, diesmal wird es ausnahmsweise nicht in der kalten Jahreszeit passieren.

Wie geht es weiter?

Wie auf diesem Bild. vlissingen__beach_01 Wir wissen nicht, was hinter dem Horizont ist, wir planen nicht, wir leben. Die vielen „Aber, wenn …“überlassen wir anderen. Uns könnte auch morgen der Himmel auf den Kopf fallen. Leben und arbeiten im Wohnmobil, wir leben unseren Traum. Lebe ihn auch, was immer es ist. Du hast nur dieses eine Leben. Am Ende deines Lebens wirst Du mit Sicherheit nicht bedauern, nicht das neueste Smartphone oder was auch immer gekauft zu haben, sondern andere Dinge nicht getan zu haben. Andreas

21 Kommentare zu “Ein Jahr leben und arbeiten im Wohnmobil”

  1. Christian Magnus

    Glückwunsch euch beiden zum Einjährigen!

    Leider hab ich ja meine 14 Monate Womoleben und -lernen seit ein paar Wochen hinter mir, es folgen erstmal viele Jahre fix geregelt in einem Haus, aber die Zeit werde ich niemals vergessen. Die Ungebundenheit, auch wenn man mal länger am gleichen Ort steht, man könnte… ….das macht einfach süchtig. Wenn man mal länger als 3 Wochen im Urlaub ohne behütet und gequetscht auf Campingplätzen rumzueiern unterwegs war, hat man schonmal einen kleinen Hauch davon gespürt, in Wirklichkeit ist es aber viel besser, unbeschreiblich. Kaum rauszulesen, aber ich beneide euch wirklich sehr.

    Ich wünsche euch mindestens so viele interessante Begegnungen und ausschließlich positive Reaktionen, so wie ich das hatte.

    Gruß Rona und Christian

    („11. April 2013: Die unendliche Geschichte des Gastanks ist beendet,“ sollte 2014 heißen 😉 )

    1. Andreas

      Hi Christian,

      danke für den Hinweis, Fehler behoben.

      Bis demnächst wieder, vielleicht zu einem Berg-Frühstück? 😉

      Gruß
      Andreas

  2. Dieter

    Hallo Andreas,

    wir haben uns auch vor einem Jahr ein Wohnmobil gekauft. War schon seit längerem unser Traum. Jetzt haben wir es und sind pausenlos unterwegs. Wir haben in dieser Zeit auch festgestellt, was man alles so zu Hause ansammelt aber wirklich nicht braucht. Denn im Wohnmobil haben wir vieles nicht dabei und vermissen diese Dinge auch nicht. Auch können wir uns nach dem ersten Jahr vorstellen, unsere Wohnung zu verlassen und immer im Wohnmobil zu leben. Allerdings will auch das minimalistischte Leben irgendwie bezahlt werden. Da wir weder Selbständig sind noch Jobs haben, die man unterwegs erledigen kann, bleibt dies eher ein langfristiges Ziel.
    Euch wünsch viel Spaß und das alles so wird, wie Ihr Euch das vorstellt.
    Grüße
    Dieter

  3. Det70

    Auch von mir herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Das mit dem TV Sender finde ich spannend, mal sehen wie ihr euch entscheidet.

    Sicherlich würden eine Menge Leute diese Form der Lebensgestaltung überhaupt ersteinmal wahrnehmen und schließlich auch akzeptieren.

    Grundsätzlich wären die meisten Menschen ja gern Abenteurer, scheuen aber die Veränderung.

    Beste Grüße,

    Detlef

  4. michael unterwegshoch4x4

    Hey – dann ist das ja quasi Euer erster Geburtstag.

    Schön zu lesen, dass es möglich ist heutzutage so zu leben, wo wir doch in einer Sicherheit und Renten Gesellschaft zuhause sind.

    Ich glaube Ihr macht allen Mut, die eben auch denken “Das würde ich auch gerne”.

    Alles Gute und feiert das heute einfach.

    Michael

  5. noch ein Markus

    herzlichen Glückwunsch!

    wo mögt Ihr wohl überall landen wenn Claudia nicht mehr ortsgebunden arbeitet?!
    das ist momentan mein größtes Problem und so bin ich etwas neidisch… 🙂
    weiterhin viel Spaß!

  6. Rolf

    Hi ihr zwei,

    zunächst mal Glückwunsch zu euren Renovierungsarbeiten am Womo und zum Einjährigen.
    Wir lesen euren Blog schon beinahe von Anfang an täglich.
    Ich wusste ja nicht, daß ihr handwerklich nicht bereits „vorgebildet“ wart. Dann muss ich die Leistung ja noch höher einordnen. Ich sagte immer, Andreas kann alles , ausser Strom, und da hat er ja, wie auch wir, Andre.
    Letztes Wochenende hatten wir nun die Möglichkeit das Auto in Leopoldshafen in Natura von aussen zu betrachten. Ich konnte mir nicht recht vorstellen wie groß das Womo ist, und wie so eine Metalliclackierung mit der Walze wird. Ist aber Claudia recht gut gelungen.
    Nun sind wir gespannt, wie es weiterhin so läuft, wenn ihr eure Basis und Claudia ihre Arbeit nicht mehr habt.
    Wir werden im Blog dabei sein.
    Grüße Rolf

  7. Andre

    Hi ihr zwei, wie schnell ein Jahr vergeht! Herzlichen Glückwunsch und weiter so viel Spaß und Freude wie ihr bisher ausstrahlt! Der „weniger ist oftmals viel mehr“ Spruch hat schon was. Und ich kann nach fünfeinhalb Jahren Womoleben sagen: Ich habe keine Minute bereut!
    Viele Grüße Andre

  8. Markus

    Ich machs kurz: Glückwunsch und weitermachen! 😀

    LG Markus – Dana und Stella sind leider beschäftigt – mit Schlafen und Spielen 😉

  9. Heike Quellmalz

    Hallo ihr 2, seit einem Jahr verfolgen wir eure Neuigkeiten. Herzlichen Glückwunsch zum 1 jährigem. Wir leben nun 4 Monate im WOMO und fühlen uns herrlich befreit. Wir wünschen euch viele schöne Reiseabenteuer.
    LG von Heike und Klaus

  10. Helmut W

    Ich sag mal Hallo,

    ich persöhnlich lebe und fahre gerne mit meinem WoMo.
    Aber genauso gerne bin ich auch in meinem Zuhause.

    Ich weis unterwegs die riesigen Parkanlagen vor meiner WoMo-Türe zu schätzen.
    Die noch nicht einmal pflegen muß.
    Ich weis aber auch meine Wohnung und meinen Garten zu schätzen.
    Hier brauch ich nicht mit Strom oder Daten-Volumen knausern.

    Ich freue mich für jedes positive Gespräch mit anderen Wohnmobilisten
    und freue mich, wenn ich nach langer Reise, wieder in meinem Wohnumfeld von meiner Reise erzählen kann.

    So meine ich hat jede Form des Lebens eine Berechtigung.
    Man muß sie nur akzeptieren.

    In diesem Sinne allen Reisenden
    immer eine Handbreit Luft ums Auto.

    Helmut W

  11. henning

    Hallo Nachbarn,

    Glückwunsch zum Einjährigen!
    Dieses „wenn nicht jetzt, wann dann?“ Gefühl wars ja auch bei mir, dass ich mich für das Leben im Wohnmobil entschieden habe. Und es gab bisher keinen Grund, den Schritt zu bereuen. Der letzte Satz trifft es voll und ganz.

    Gruß
    Henning

  12. Ernst Tollknaepper

    Hallo Andreas,
    Glückwunsch zum Einjährigen. Ich kann das voll nachempfinden.
    Wir sind jetzt seit 17 Monaten auf Achse und haben noch keine Sekunde bereut. Und wir vermissen auch Nichts aus dem früheren Leben. Und wenn doch mal so ein Gedanke kommt dann reicht es aus, kurz daran zu denken, was wir durch dieses Leben alles gewonnen haben.
    Das gilt für viele Bereiche. Es gibt keine Trägheit mehr weil alles immer neu ist. Die Beziehung zwischen uns ist intensiver denn je weil es alles auf den 20 qm stattfindet (oder meistens davor

  13. Christa

    Hallo ihr zwei,

    auch wir gratulieren Euch herzlich!!!

    Wir leben nun schon bald zwei Jahre in unserem Womo.
    Bis dato haben wir es auch noch nicht bereut.

    Schöne Grüße
    Norbert und Christa

  14. A+K Weltenbummler

    Hallo Ihr Zwei,

    das Leben im Womo macht „meistens“ viel Spaß. Man kann tun und lassen, was man will, man ist immer in der Natur, man hat keinen lästigen Ballast mehr, man ist frei. Wir haben alles aufgegeben. Alles, was wir besitzen, hat im Womo Platz. Zum Thema „Abmelden bei den Behörden“ hat man immer das Gefühl, man ist der erste Mensch, der soetwas macht. Wir haben das nun schon zweimal durch. Man muss nur hartnäckig genug sein, dann funktioniert das schon. Alles, was geht, machen wir online. Leider haben manche Behörden noch nicht begriffen, dass ein neues, digitales Zeitalter begonnen hat. Irgendwann wird auch das hoffentlich funktionieren. Was auch unser größtes Problem ist, ist das begrenzte Datenvolumen, vor allem, wenn man einen Blog betreibt und nach Reiserouten sucht. Die ständigen Updates sind einfach nur lästig, wie Andreas schon beschrieben hat. Die fressen immer mehr der wertvollen Megabites. Wir haben ein mobiles WIFI-Gerät. Damit ist man etwas unabhängiger. Die Gebühren sind nach einzelnen Ländern oder Ländergruppen sowie Laufzeiten gestaffelt. Inzwischen sind die Gebühren etwas gefallen, es ist trotzdem ärgerlich, wenn die Megabytes dahinschwinden wie Eis in der Sonne. Da bedarf es auch noch einer Änderung in naher Zukunft.
    Wir wünschen Euch jedenfalls noch viele tolle Kilometer unter den Rädern Eures Womos.

    1. Andreas

      So etwas wie abmelden wird in Deutschland auch nicht gerne gesehen. Behörden und Internet, naja man muss sie auch verstehen, das ist ja schließlich Neuland und ob sich das wirklich durchsetzt, dass weiß man ja auch noch nicht [Ironie off]

      Sobald man sich nicht in Deutschland aufhält, ist das Problem mit dem Datenvolumen nicht mehr so groß. Nach der letzten Erhebung gibt ja nur noch drei oder vier Länder, die noch schlechteres und teureres Internet haben: Weißrussland, Russland und Polen. Das ist schon irre.

      Gruß
      Andreas

      1. A+K Weltenbummler

        Beim letzten Mal abmelden, hat man uns doch tatsächlich auf den Kopf zugesagt, dass wir uns ihrer Kontrolle entziehen würden. Damit offenbarten sie uns das, was wir vorher schon geahnt hatten. Das ist der wahre Grund, warum die Abmeldung so schierig ist. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

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